Britischer Einzelhandel
Sainsbury's-Chef korrigiert frühere Fehler

Der britische Einzelhandelskette legte ihr größtes flächenbereinigtes Umsatzwachstum seit einer Dekade vor. Nicht gerade das, was man von einem Supermarkt der gehobenen Preisklasse in einer Rezession erwartet. Unternehmenschef Justin King hat seine Aufgabe gut gelöst – zum Teil, weil er frühere Fehler korrigieren konnte.
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J. Sainsbury gab soeben die besten Wachstumszahlen der vergangenen Dekade bekannt. Das ist in einer schweren Rezession nicht gerade typisch für einen Supermarkt der gehobenen Preisklasse. Justin King, der Chef der drittgrößten britischen Lebensmittelkette hat seine Sache gut gemacht - zum Teil dadurch, dass er alte Fehler korrigiert hat. Wenn er so weitermacht und die größte Schwäche seiner Vorgänger - die verfehlte Preispolitik - kuriert, dann könnte Sainsbury?s im Konjunkturaufschwung sogar noch besser abschneiden.

Die Zeichen stehen günstig. Die flächenbereinigten Umsätze, ohne Treibstoffe und ohne Berücksichtigung der Mehrwertsteuersenkung im Dezember, stiegen in den elf Wochen bis zum 21. März um 7 Prozent. Zum Teil ist der Anstieg auf Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln zurückzuführen, aber offensichtlich konnte auch das Transaktionsvolumen um etwa 3 Prozent gesteigert werden. Die Konsumenten erhöhten ihre Nachfrage nach preisgünstigen und stark beworbenen Eigenmarken der Kette.

Im Einzelhandel gehen höhere Transaktionsvolumina in der Regel zulasten der Gewinnspannen. Aber bei Eigenmarken sind die Spannen üblicherweise hoch, sodass der Umsatzzuwachs sich auch günstig auf die Gewinnentwicklung auswirken sollte.

Aber auch wenn Sainbury?s Süßkartoffeln für verlockende 70 Pence pro Beutel anbietet, ist der Aktienkurs alles andere als ein Schnäppchen. Die Aktien des Unternehmens werden zum 15-fachen der für 2009 erwarteten Gewinne gehandelt, also etwa 25 Prozent teurer als der durchschnittliche europäische Lebensmitteleinzelhändler. Anleger, die auf noch mehr gute Nachrichten gesetzt hatten, reagierten daher auf den Umsatzbericht weniger enthusiastisch.

Sie werden sich jedoch schon wieder erwärmen, wenn sich herausstellt, dass King mit seiner Behauptung, Sainsbury?s werde noch auf andere Weise von der Rezession profitieren, als zutreffend erweist. Er geht davon aus, dass die Werbemaßnahmen auch die Konsumenten wieder anlocken werden, die Sainsbury?s im Verlauf der 90er Jahre den Rücken gekehrt haben - als die Regale schlecht gefüllt waren und die Preise zu hoch. Wenn sie erst an der Tür stünden, würden sie feststellen, dass sich der Charakter der Läden positiv verändert habe.

Die vorläufigen Ergebnisse, die das Unternehmen im Mai vorlegt, werden ein klareres Bild zeigen. Sainsbury?s könnte ein ähnlicher Run bevorstehen, wie ihn der kleinere Konkurrent WM Morrison?s genoss, nachdem er in den vergangenen 18 Monaten erfolgreich umstrukturierte. Die Einzelhandelskette könnte es sogar schaffen, den britischen Branchenführer Tesco in Schwierigkeiten zu bringen.

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