Britischer Einzelhandel
Sainsbury's zeigt klugen Opportunismus

Der britische Einzelhändler bringt Aktien und Wandelanleihen an den Markt, um frisches Kapital in Höhe von 450 Millionen britischen Pfund aufzunehmen. Mit diesem Schritt macht sich das Unternehmen die Erholung an der Börse sowie die freundliche Stimmung gegenüber Firmenchef Justin King zunutze.
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Sainsbury?s hat bewiesen, dass es Gelegenheiten zu nutzen weiß. Die drittgrößte Supermarktkette Großbritanniens nimmt Mittel in Höhe von 450 Millionen Pfund auf, um sie in neue Märkte zu investieren. Mit diesem Schritt macht sich das Unternehmen die Erholung an den Märkten sowie die freundliche Stimmung gegenüber Firmenchef Justin King zunutze. Aber Sainsbury's Expansionspläne können auch als Warnhinweis verstanden werden, dass die Risikobereitschaft des Unternehmens zugenommen hat.

Jetzt, wo die Rallye am Aktienmarkt abflaut und das Sommerloch naht, ist es ein kluger Schachzug von Sainsbury's, Anleger anzuzapfen, solange die Kapitalmärkte noch aufnahmefähig sind. Die Emission von Aktien im Volumen von 255 Millionen und Wandelanleihen von 190 Millionen Pfund wird zu einer Verwässerung des Gewinns pro Aktie um etwa 7 Prozent führen, je nachdem, wie hoch der Discount bei der Plazierung ausfallen wird. Aber laut King haben Sainsbury's Aktionäre ihre Unterstützung zugesagt - darunter die Königsfamilie aus Katar, die einen Anteil von 30 Prozent am Unternehmen hält, und die Gründerfamilie Sainsbury, die mit 18 Prozent beteiligt ist. Und die Aktien/Anleihen-Doppelplatzierung von Alliance Oil in der vergangenen Woche - vergleichbar den Sainsbury's-Plänen - endete mit einer komfortablen Überzeichnung.

Die Gründe, warum King das Vertrauen der Investoren auf die Probe stellen will, sind leicht nachvollziehbar. Er hat dem Unternehmen zu einem beeindruckenden Turnaround verholfen. Sainsbury's Umsätze, ohne Treibstoffe, stiegen in den drei Monaten zum 13. Juni um 7 Prozent.

Aber wird er es auch schaffen, dass sich die Verwässerung der Anteile für die Investoren bezahlt macht? Er plant Sainsbury's Verkaufsfläche bis März 2011 um 15 Prozent zu erweitern. Langfristig hat das Unternehmen erhebliche Chancen im Nonfood-Segment und unter den größeren Märkten, wo es noch von Tesco und Asda Wal-Mart übertroffen wird. Zudem profitiert der Nonfood-Bereich von Größenvorteilen.

Für Wachstum zu sorgen und gleichzeitig Gewinne einzufahren, kann sehr viel schwerer sein als einen Turnaround zu bewerkstelligen, wie Kings früherer Chef Stuart Rose, der Gründer von Marks & Spencer erfahren musste. Schon jetzt dürfte Sainsbury's Wachstumstempo nur schwer aufrechtzuerhalten sein, wenn man berücksichtigt, dass der Wettbewerb und die Konkurrenz immer stärker werden. Hinzu kommt, dass das Nonfood-Geschäft riskanter als das Nahrungsmittelgeschäft ist.

Aber höhere Risiken scheinen heute ganz nach Kings Geschmack zu sein. Die Kapitalaufnahme am Mittwoch lässt Sainsbury's strukturierte langfristige Schuldtitel in Höhe von 2,1 Milliarden Pfund und seine Kreditlinien im Umfang von 600 Millionen Pfund unangetastet. Das könnte bedeuten, dass das Unternehmen noch aggressivere Pläne in der Pipeline hat. Auslandsexpansion durch Akquisition klingt längst nicht mehr so weit hergeholt wie früher. King muss vorsichtig operieren. Vielleicht folgen ihm seine Anleger nur bis hierhin und nicht weiter.

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