Britisches Pfund
Immer noch zu teuer

Am Pfund scheiden sich die Geister. „Kaufen!“ empfiehlt Goldman Sachs und setzt auf einen Anstieg der britischen Währung auf 1,70 Dollar. „Sterling in der Krise!“ warnt dagegen der Verband der Britischen Industrie (CBI) unisono mit dem ehemaligen Chef der Britischen Finanzaufsicht Sir Howard Davies.
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Am Pfund scheiden sich die Geister. "Kaufen!" empfiehlt Goldman Sachs und setzt auf einen Anstieg der britischen Währung auf 1,70 Dollar. "Sterling in der Krise!" warnt dagegen der Verband der Britischen Industrie (CBI) unisono mit dem ehemaligen Chef der Britischen Finanzaufsicht Sir Howard Davies. Gleichzeitig prognostiziert Ernst & Youngs Item Club für die nächsten fünf Jahre einen weit weniger aufregenden Gleichstand von Pfund und Euro.

Angesichts der Sprunghaftigkeit der Devisenbörse könnten alle Parteien recht behalten. Mittelfristig tendiert das Pfund dennoch zur Schwäche und riskiert sogar eine Währungskrise à la Reykjavik.

Nun ist die Marktlage negativ, das Pfund steigt dennoch. Händler nahmen laut der Warenterminbörsenkommission am 13. Oktober Rekordwetten gegen die Währung auf. Doch jeder auf extremen Baisse-Spekulationen basierende Markt ist großen Schwankungen unterworfen. Das erklärt auch den Pfund-Sprung von 1,57 auf 1,64 Dollar Ende letzter Woche. Die für die Shorts-Händler unangenehme Überraschung fußte womöglich auf dem geringen Anstieg der Arbeitslosenzahlen auf der Insel, sowie den Bemerkungen von Paul Fisher. Das Mitglied des finanzpolitischen Ausschusses der BoE orakelte, dass das "Quantitative Easing" Programm nicht verlängert würde.

Langfristig entscheidet sich das Schicksal der Währung nicht im Trading, sondern durch wirtschaftliche Grundlagen - und die bleiben weiterhin unsicher. Man fürchtet, die extremen Stimuli hätten den notwendigen Reinigungsprozess der Wirtschaft nur hinausgezögert. Konsum, Autoverkäufe, Arbeitsmarkt und Immobilienpreise seien nur durch den Stimulus gestiegen. Selbst die Genesung am Londoner Luxusimmobiliensektor sei auf das Bankenrettungsprogramm zurückzuführen. Eigenständiges Wachstum ist noch nicht in Sicht, die Regierungsfinanzen sind gefährlich geschrumpft. Die Schulden dürfen nicht mit der derzeitigen Geschwindigkeit weiterwachsen, soll eine Krise verhindert werden.

Das einst von Immobilien- und Finanzierungspreisen getrieben Wachstum sollte von etwas dauerhafterem, als unfinanzierbaren Stimuluspaketen ersetzt werden. BoE-Chef Mervyn King brachte schon mehrmals die Rolle des Sterling aufs Tapet. Exporte sollen steigen, Touristen müssen das Land als billiger empfinden. Die schmerzhafte Aussicht: Die Briten sollen ärmer und wettbewerbsfähiger werden. Dazu gehört auch ein billiges Pfund.

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