British Airways
Die Slot-Maschine

British Airways dürfte noch vor Weihnachten erfahren, was sie tun muss, damit ihr Deal mit American Airlines gebilligt wird. Dieser könnte dem britischen Carrier größere kurzfristige Vorteile einbringen als der Abschluss mit Iberia – vorausgesetzt, die Aufsichtsbehörden auf beiden Seiten des Atlantik zwingen BA nicht dazu, zu viele Slots am Flughafen Heathrow aufzugeben.
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Könnte sich British Airways (BA) vom ewigen Mauerblümchen in einen erfolgreichen Geschäftemacher wandeln? Nachdem die britische Fluggesellschaft mit der spanischen Iberia eine Fusion besiegelt hat, dürfte sie noch vor Weihnachten Entscheidendes über einen weiteren Deal erfahren, der sich schon seit langem hinzieht: Es geht um die Immunität gegen kartellrechtliche Wettbewerbsbeschränkungen bei der Zusammenarbeit mit American Airlines. Und dieser Abschluss könnte sich möglicherweise kurzfristig als wertvoller erweisen - wenngleich hier der Teufel ganz besonders im Detail steckt.

Kartellrechtliche Immunität zu erlangen, ist fast so gut wie eine Fusion. Sie gestattet es Fluggesellschaften, die Ticketpreise, das Vertriebspersonal, Flugpläne und Vielfliegerprogramme zu koordinieren. Derlei Arrangements zielen darauf ab, die US-Gesetze zu umgehen, die es ausländischen Unternehmen untersagen, sich mit mehr als 25 Prozent an großen amerikanischen Fluggesellschaften zu beteiligen. BA hat bereits zwei Mal um kartellrechtliche Immunität ersucht, doch die US-Aufsichtsbehörden torpedierten die Deals, indem sie kostspielige Bedingungen stellten.

Sich mit American zu verbinden, ist wichtig für die Briten, denn sie erzielen den Großteil ihrer Gewinne mit Passagierflügen über den Atlantik. Die Deutsche Bank rechnet damit, dass eine Zusammenarbeit Kosten- und Einnahmensynergien über 140 Mill. Pfund Sterling für die beiden Firmen einbringen könnte. Das wäre zwar weniger als die jährlichen Verbundeffekte über 400 Mill. Euro, die bei dem Iberia-Deal erwartet werden. Doch diese Synergien, für deren Verwirklichung 350 Mill. Euro aufgewendet werden müssen, würden erst im Jahr 2015 vollständig zum Tragen kommen.

Der Haken an der Sache liegt darin, dass die Regulierer die Gewährung der kartellrechtlichen Immunität wahrscheinlich zu einer teuren Angelegenheit machen werden. Der Londoner Flughafen Heathrow - der Heimatstandort von BA - stellt von Amerika aus das wichtigste Tor nach Europa dar. Theoretisch steht der Flughafen dem freien Wettbewerb offen, doch der Platz ist voll.

Als BA und American zuletzt 2001 vorstellig geworden waren, hatte das US-Verkehrsministerium den Fluggesellschaften auferlegt, in Heathrow 224 Slot-Paare pro Woche aufzugeben. Im vergangenen Jahr zahlte Continental 25 Mill. Pfund für einen Start- und Landeslot. Auf dieser Basis liegt der grobe Wert für 224 Slot-Paare bei 5,6 Mrd. Pfund - und stellt den Wert der Synergien in den Schatten.

Beobachter gehen davon aus, dass das US-Verkehrsministerium dieses Mal gnädiger gestimmt ist - nicht zuletzt, weil es ähnliche Arrangements zwischen Air France und Delta sowie Lufthansa und United/Continental zugelassen hat. Die Rolle des Quertreibers scheint jetzt allerdings Brüssel zugefallen zu sein. Die EU-Kommission hat BA, American und Iberia eine 400 Seiten starke Liste an Einwänden überstellt. Technisch gesehen brauchen die Fluggesellschaften den Segen aus Brüssel nicht, um ihre Allianz aufzunehmen, sofern sie die Genehmigung des US-Verkehrsministeriums erhalten. Aber wenn die EU-Kommission letztendlich eine zu harte Linie vertritt, dann könnte der Deal erneut vereitelt werden.

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