British Energy
Zu viel Euphorie

Energiepreise auf Rekordniveau lassen die Investoren des britischen Kernkraftkonzerns British Energy von einem hohen Unternehmenswert ausgehen. Bieter sind da wohl etwas vorsichtiger. Anstatt einen Verkauf anzustreben, könnte British Energy am Ende eher Partner für den Bau neuer Kraftwerke suchen.

Wenn Branchenunternehmen wie Gazprom einen Anstieg des Ölpreises auf 250 US-Dollar im nächsten Jahr vorhersagen, ist es kein Wunder, dass Investoren von British Energy in Euphorie versetzt werden. Die britische Kernkraft-Gruppe hat augenscheinliche Angebote für das Unternehmen als zu niedrig zurückgewiesen.

Die aktuellen Elektrizitäts-Terminpreise und das Potenzial zum Bau neuer Anlagen rechtfertigen in den Augen von British Energy einen Preis von mindestens 735 Pence je Aktie, dies entspricht 11,8 Milliarden britischen Pfund. Der Haken ist, dass der bislang einzige Bieter, die französische EDF, nur zwischen 680 und 700 Pence zahlen will.

Man kann leicht sehen, warum sich British-Energy-Aktionäre verschaukelt fühlen. Die britischen Strompreise sind in diesem Jahr bislang um über 50 Prozent gestiegen, vor allem wegen des hohen Ölpreises. British Energy ist wegen der hohen festen Kosten sehr sensitiv gegenüber dem Ölpreis. Wenn man den aktuellen Strompreis von 76 Pfund pro Megawattstunde ansetzt, müssten die Aktien nach Schätzungen von Morgan Stanley 890 Pence wert sein. Dabei sind noch nicht die potenziellen Gewinne aus dem Bau neuer Kernkraftwerke berücksichtigt.

Theoretisch müssten Versorger eher der Verwendung von Terminpreisen zugeneigt sein als etwa Öl- und Gasgesellschaften, zumindest auf kurze Sicht. Diese sind besser darauf vorbereitet, sich abzusichern und langfristige Kontrakte abzuschließen.

Doch EDF ist verständlicherweise sehr vorsichtig, wenn es darum geht, den Ölpreis für drei oder 30 Jahre vorauszusagen. Hohe feste Kosten können Vor- und Nachteile haben. British Energy stand vor fünf Jahren am Rand der Pleite. Und obwohl potenzielle Bieter wie RWE und Iberdrola sich noch immer über British Energy den Kopf zerbrechen, ist EDF im Moment der einzige Bieter.

Wenn British-Energy-Investoren das Unternehmen wirklich für so wertvoll halten, sollten sie darauf drängen, dass statt eines Verkaufs Partner für den Bau neuer Kernkraftwerke gesucht werden.

Der britischen Regierung, die noch immer 35 Prozent an British Energy besitzt, dürfte eine Lösung ohne Verkauf ins Konzept passen. Man würde kein Geld verlieren, weil versprochen wurde, Einnahmen aus einem Verkauf für die Stilllegung alter Kernkraftwerke zu verwenden. Es könnte vernünftig sein, das Risiko von Neubauten auf verschiedene Unternehmen zu verteilen, und dies ist auch zustimmungsfähiger als der aktuellen Wert von British Energy.

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