Bruce Wasserstein
Wassersteins Vermächtnis

Bruce Wasserstein ist tot - lang lebe der Deal. Kein Banker hat mehr dafür getan, die Erteilung von M&A-Ratschlägen zu einem Geschäftsmodell zu entwickeln, wie der jetzt verstorbene Chairman von Lazard. Dieses Vermächtnis hat sich nicht immer zugunsten der Investoren ausgewirkt, aber es wird die Wall Street noch für Generationen prägen.
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Wassersteins Karrierebogen bildet den Übernahme-Boom präzise nach, und zwar fast genau von dem Moment an, als er 1977 bei First Boston damit begonnen hatte, Unternehmen bei Deals zu beraten. Damals war die Finanzberatung noch das Stiefkind, das gegenüber den Aktienhändlern und Brokern, die Gebühren schafften, verblasste. Auch wenn die Titanen der Finanzwelt wie Andre Mayer von Lazard und Felix Rohatyn oder Sigmund Warburg in der City von London als vertrauenswürdige Berater der Unternehmensbosse fungierten, hat doch keiner von ihnen seine Beraterdienste forsch als Produkt vermarktet, so wie dies Wasserstein dann tat.

Wasserstein agierte nicht nur als Consigliere vom Dienst für Führungskräfte, deren Hunger immer stärker wurde, je mehr der aufkeimende Junk Bond-Markt für immer billigere und leichter zugängliche Finanzierungen sorgte. Er drängte sie darüber hinaus aktiv dazu, wagemutige Manöver in Erwägung zu ziehen, wie etwa die Offerte von Kohlberg Kravis Roberts für RJR Nabisco im Jahr 1989, oder sich auf schwächere Konkurrenten zu stürzen - wie etwa das jüngste Übernahme-Angebot von Kraft für Cadbury.

Natürlich trug der Wesenszug, Deals bis zum Äußersten auszureizen, mit dazu bei, dass sich Wasserstein den wenig schmeichelhaften Spitznamen "Bid'em up Bruce" einhandelte. Vielen Investoren galt er zudem als Heimsuchung, wenn sie erkennen mussten, dass Spitzenmanager ihre Interessen dem Aufbau von Imperien opferten. Man erinnere sich nur an Robert Campeau, den kanadischen Immobilienentwickler, der Wasserstein bei seinen fehlgeschlagenen Akquisitionen von Allied Stores und Federated Department Stores um Rat ersucht hatte.

Worin sich Wasserstein allerdings wirklich auszeichnete, war das Meistern von Deals, die er selbst ins Leben gerufen hatte und von denen er immens profitierte. Nachdem er und Joseph Perella den M&A-Bereich von First Boston erst zum besten der ganzen Wall Street ausgebaut hatten, weideten sie die Abteilung aus, indem sie die Firma verließen und einen Großteil der Talente mit sich nahmen, um die Finanzberatungsboutique zu eröffnen, die ihre Namen trug. Im Jahr 2000 verkaufte er Wasserstein Perella dann für die atemberaubende Summe von 1,4 Mrd. Dollar an Dresdner Kleinwort.

Doch auch derlei Reichtümer trugen wenig dazu bei, die Ambitionen Wassersteins zu dämpfen. Nachdem er sich in weniger als einem Jahr mit seinen neuen Chefs aus Deutschland überworfen hatte, überlistete Wasserstein bald Michel David-Weill an der Spitze von Lazard. Dort gelang es ihm dann, die internen Hahnenkämpfe in der Firma beizulegen und deren Partner in Paris, London und New York so erfolgreich auf eine Linie einzuschwören, dass das Unternehmen in der Lage war, vor vier Jahren den Gang an die Börse anzutreten. Der Kurs der Aktien hat sich seitdem fast verdoppelt.

Ohne das ausgeprägte Selbstwertgefühl Wassersteins auf dem Chefsessel - das die Egos der zahlreichen anderen Partner der Firma mühelos in den Schatten stellte - besteht die Gefahr, dass die internen Machtkämpfe bei Lazard wieder aufbrechen. Damit würde sicherlich einer der Höhepunkte in Wassersteins Karriere eingetrübt werden. Auf jeden Fall aber wird die Kunst des Deals - oder genauer, die Präsentation von Deals als Kunstform - auf Jahre hinaus mit seinem Namen verbunden bleiben.

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