Bruchlandung des Billigfliegers
Spare nie am Flachbett

Der britische Business-Klasse-Flieger Silverjet will von der Bruchlandung des US-Konkurrenten Maxjet profitieren. Sicher sind die Schwierigkeiten von Maxjet eher auf Fehleinschätzungen als auf ein falsches Geschäftsmodell zurückzuführen. Dennoch wird auch Silverjet ihr ganzes Können aufbieten müssen, um künftige Turbulenzen zu umfliegen.

Flachbettsitze sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Maxjet, der US-Billigflieger für die Business-Klasse, hat am Heiligen Abend Gläubigerschutz beantragt. Wenn man etwas aus dieser Insolvenz lernen kann, dann ist es die Lektion, dass die Kunden nicht billig abgefertigt werden wollen, nur weil sie günstige Tickets gekauft haben. Maxjet hat ihren Passagieren nur Liegesitze angeboten, während andere Carrier ihren Kunden in der Business-Klasse schon lange ausschließlich mit Flachbetten aufwarten. Das war zwar sicher nicht die einzige Quelle der Schwierigkeiten von Maxjet, aber es ist einer der Gründe, warum andere Branchenwettbewerber, wie die britische Silverjet, überzeugt sind, vom Crash des Konkurrenten zu profitieren: Sie wollen es anders machen.

Silverjet hat nach eigenen Angaben in den letzten Wochen im Dezember Kunden von Maxjet zu sich herübergezogen. Doch immer noch füllt der britische Business-Klasse-Discounter lediglich 53 Prozent seiner verfügbaren Sitzplätze. Allerdings müssten es schon 65 Prozent sein, nur um die Gewinnschwelle zu erreichen. Der Wettbewerb wird nämlich immer intensiver. Etablierte Fluglinien wie Lufthansa und British Airways bieten – oder haben es zumindest vor – ausschließliche Business-Klasse-Flüge zu Preisen an, die denen der Discounter gefährlich nahe kommen. Und selbst diese, wie zum Beispiel Eos, der Marktführer des Sektors, planen eine Expansion - ein Zeichen dafür, dass die Beteiligten nicht damit rechnen, dass die Nachfrage kurzfristig zurückgeht.

Das Debakel von Maxjet läutet denn auch bei weitem nicht gleich das Ende einer Branche ein, die auf einem Widerspruch aufbaut: billige Flüge für Reisende mit gehobenen Ansprüchen. Aber es ist ein Hinweis darauf, dass Discounter für die Businessklasse nicht überleben werden, wenn sie einfach nur die Billigflieger-Saga mit ein, zwei Verbesserungen wiederholen wollen. Die Passagiere der Holzklasse sind daran gewöhnt, schreckliche Mahlzeiten vorgesetzt zu bekommen und schnell abgefertigt zu werden. Aber Geschäftsleute auf Reisen scheinen einige Schwierigkeiten damit zu haben, ihre Erwartungen herunterzuschrauben, nur weil ihr Unternehmen ihr Ticket günstiger erstanden hat.

Da zu dem Preiskrieg jetzt auch noch die gestiegenen Treibstoffpreise hinzukommen, ist es wahrscheinlich, dass einige Branchenvertreter es Maxjet gleichtun werden – und abstürzen. Erstens einmal ist es schwer zu sagen, ob Billig-Geschäftreisen überhaupt über ihren Kernmarkt reicher Touristen und kleiner bis mittlerer Unternehmen hinausreichen können. Und zweitens ist immer noch unklar, ob Anbieter reiner Business-Klasse-Flüge abseits der bevölkerten Routen zwischen New York und den jeweiligen europäischen Großstädten rentabel arbeiten können. Sicher ist nur, dass allein kostenbewusste Unternehmen, die sich stark auf den Service konzentrieren, die aufziehende Schlacht überleben werden.

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