BSNL Börsengang
Große Lösung, kleine Lösung

Die mögliche Privatisierung der größten Telekommunikationsgesellschaft Indiens sorgt für Aufregung. Auch wenn BSNL Größe in die Waagschale werfen kann, operiert das Unternehmen auf dem falschen Markt. Mit einem Kundenanteil, der zu 50 Prozent aus einem Monopol auf dem rückläufigen indischen Festnetzmarkt stammt, ist BSNL alles andere als die Nadel im Heuhaufen. Eine 100-Milliarden-Dollar-Bewertung wirkt zu üppig.

BSNL Börsengang: Indiens Bharat Sanchar Nigam sorgt für Unruhe. Nach der Auflösung eines politischen Kernproblems - dem Abschied der Kommunisten aus der Regierungskoalition - steht die Privatisierung des größten Telekommunikationskonzerns des Subkontinents wieder auf der Agenda. Regierung und BSNL-Verwaltungsrat treiben ihre Pläne voran, zwischen 5 und 10 Prozent des Konzerns an die Börse zu bringen. Sie gehen davon aus, dass das Unternehmen eine Marktkapitalisierung von üppigen 100 Milliarden Dollar erreichen kann und die Erstemission zur größten in der indischen Geschichte werden könnte.

Investoren haben allerdings zwei gute Gründe, vorsichtig zu sein. Erstens, BSNL kann mit seiner Größe auftrumpfen - nur leider auf dem falschen Markt. Die Hälfte der 73 Millionen Kunden beziehen Festnetzdienste. Das Geschäft hat keine Zukunft. Der Marktanteil von BSNL liegt hier schon bei fast 85 Prozent, aber die Festnetzumsätze im Jahr 2007 fielen und der Geschäftsverlauf erwies sich als unprofitabel.

Ausgehend von dieser Basis sind die Wachstumsaussichten begrenzt. Wie in vielen Emerging Markets wird das beschränkte Festnetz von Mobilfunknetzen verdrängt, die heute schon achtmal so viele Kunden haben. Mit der unmittelbar bevorstehenden Ausgabe der 3G-Lizenzen unterstützt die Regierung sogar den Mobilfunk als Mittel zur weiteren Ausdehnung der Breitbandnetze.

Zweitens, im boomenden Mobilfunkgeschäft Indiens - die Zahl der Neukunden wuchs in einem Jahr um 60 Prozent und bescherte Indien damit einen Platz noch vor den USA - konnte BSNL auf dem hartumkämpften Markt kaum Schritt halten. Das Unternehmen erreichte mit einem mageren Mobilfunkanteil von 14 Prozent gerade einmal Platz vier und rutschte damit in zwei Jahren um zwei Ränge nach unten. Schuld daran war die fehlende Netzwerkkapazität, die verhinderte, dass BSNL beim aggressiven Preiswettkampf der Konkurrenz mithalten konnte. Der Marktführer Bharti Aitel hat inzwischen fast doppelt so viele Kunden und Reliance Communications und Vodafone Essar folgen ihm auf den Fersen. Vor diesem Hintergrund ist schwer zu erkennen, wie BSNL einen Marktwert von 100 Milliarden Dollar erreichen soll. 2007 erwirtschaftete der Konzern einen Gewinn von rund 4,1 Milliarden Dollar vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA). Nehmen wir einmal ganz großzügig an, dass das Unternehmen genauso schnell wächst wie die bereits genannte indische Mobilfunk-Konkurrenz und das gleiche KGV von etwa 10,5 auf der Basis des EBITDA verdient. In diesem Fall wäre ein Marktwert von gerade einmal 60 Milliarden Dollar realistisch.

Natürlich hat die Regierung bisher noch gar keine Berater engagiert und verhandelt noch mit den notorisch kritischen Gewerkschaften. Sie könnte auch BSNL noch mit MTNL fusionieren, einer staatlichen Schwesterorganisation, die das Festnetzgeschäft in den beiden größten Städten Indiens abdeckt. In dieser nebulösen Situation wäre es aber vielleicht besser gewesen, noch nicht mit so großen Zahlen um sich zu werfen.

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