Buchführungsgral
Globale Bilanzierungsstandards sollte man nicht aufgeben

Versuche, die Rechnungslegungsvorschriften für Banken zu straffen, stoßen in den USA und Europa auf Probleme. Dieser heilige Gral ist es aber wert, weiter verfolgt zu werden. Das aktuelle Wirrwarr trug dazu bei, nahezu jeden durcheinanderzubringen, und es verschlimmerte die Krise.
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Versuche, die Rechnungslegungsvorschriften für Banken zu straffen, stoßen in Europa auf Probleme, möglicherweise auch in den USA. Das aktuelle Wirrwarr der Regelungen bringt fast jeden durcheinander. Investoren sollten den Druck auf die Politik diesseits und jenseits des Atlantik hoch halten, sonst wird die Unverständlichkeit von Bilanzen wohl ebenso Baustein der nächsten Krise sein, wie sie schon Teil der letzten Krise war.

Das außerhalb der USA für den größten Teil der Welt die Bilanzierungsregeln festsetzende Gremium, der International Accounting Standards Board (IASB), führt das Bemühen um einfachere Regeln an. Der IASB will nur noch zwei Wege zulassen, um Finanzanlagen zu bewerten, derzeit sind es noch vier. Einer sieht die Bewertung zum Kaufpreis vor, der andere die zum Marktpreis. Um sich für die Kaufpreismethode zu qualifizieren, müsste eine Bank zwei Hürden nehmen. Erstens müssten Vermögenswerte „darlehensähnliche“ Instrumente sein, die vertraglich Bargeldströme generieren. Zweitens müsste die Bank selber eher das Geschäft des Haltens von Vermögenswerten zum Zweck der Einnahme von Bargeldströmen betreiben als den Handel mit solchen Instrumenten.

Der IASB-Ansatz ist überaus vernünftig, er steht aber Problemen an zwei Fronten gegenüber. Die eine Front verläuft in Brüssel, obwohl die EU Hauptstütze des Gremiums ist. Einige Mitglieder der Europäischen Union wie etwa Frankreich glauben, der IASB baue zu sehr auf eine Bilanzierung zu Marktpreisen. Die Europäische Kommission, die zuvor den IASB zur beschleunigten Vorlage seiner Vorschläge drängte, erklärt nun, sie werde noch warten, bevor sie über deren Annahme entscheidet. Hoffentlich ist Verzögerung nicht eine Verschlüsselung für Blockade.

Gleichzeitig wagt der IASB einen Krieg auf fremdem Boden, doch das Problem in den USA ist ein entgegengesetztes. Das US-Gremium Federal Accounting Standards Board (FASB) ist der Ansicht, alle Vermögenswerte sollten zu Marktpreisen bewertet werden. Der Beratungsprozess des FASB hat noch nicht formell begonnen, es gibt also noch die Möglichkeit, dass er seine Auffassung ändert. Tut er es aber nicht, wird das resultierende Mischmasch eine Spezialbehandlung erfordern. Schon die Zahl der Finanzprofessoren, die eine Variante von Bankenrechnungslegungsvorschriften richtig verstehen, ist gering. Gelehrte, die zwei Varianten begreifen, dürften so selten sein wie Hühner mit Zähnen. Wenn die Politiker dieser Welt die Anleger in dieser Angelegenheit im Stich lassen, werden sie den Tag verfluchen.

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