Bud/Modelo
Das Glas ist halb voll

Der Chef der mexikanischen Brauerei Modelo hat sich aus dem Board von Anheuser-Busch zurückgezogen. Das sieht wie ein cleverer Schachzug aus. Modelo stehen nun mehrere Wege offen, die Wertschöpfung für ihre Aktionäre zu verbessern. Dazu könnte es beispielsweise gehören, sich dem Meistbietenden hinzugeben oder Anheuser zu ermutigen, mehr für ihren 50prozentigen Anteil zu zahlen. Modelo kann ihre Optionen nun frei ausloten.

Die Offerte von InBev für Anheuser-Busch über 46 Mrd. Dollar bringt nicht nur die amerikanische Brauerei von Budweiser-Bier ins Spiel. Sie zerrt auch den mexikanischen Bierproduzenten Grupo Modelo auf den Verkaufstresen. Modelo könnte sogar das Herzstück des Deals darstellen. Damit aber Modelo, die anhand der notierten Aktien auf eine Marktkapitalisierung von rund 17 Mrd. Dollar kommt, ihren eigenen Aktionären das Höchstgebot sichern kann, muss sich der Grupo von Bud distanzieren. Daher musste Modelo-Boss Carlos Fernandez seinen Sitz im Board von Bud aufgeben.

Modelo hatte sich langsam zum Knackpunkt des Versuchs von InBev, Bud zu übernehmen, entwickelt. Bud hatte sich an Modelo herangepirscht und versucht, den Anteil von 49,8 Prozent, der sich noch nicht in ihrem Besitz befindet, zu kaufen. Dies könnte die Offerte von InBev durchkreuzen. Aber die mexikanische Gruppe hält über die Kontrolle der Holdinggesellschaft Diblo immer noch die Mehrheit der Modelo-Stimmrechte. Und Bud könnte nicht in der Lage sein, den höchsten Preis zu bieten. Also sollte Modelo doch damit anfangen, sich selbst umzusehen, stimmt?s?

Und genau hier wird die Beziehung schwierig. Beide Parteien verfügen über ein Vorkaufsrecht, wenn der jeweils andere seinen Anteil verkaufen will. Gleichermaßen hat der andere, wenn eine dritte Partei entweder den Anteil von Bud oder von Modelo kaufen will, die Option, den Preis anzupassen. Kurzum, Modelo kann sich gar nicht aktiv umschauen, ohne dabei Anheuser einen Versuch einzuräumen. Natürlich würden es die Aktionäre von Anheuser begrüßen, wenn die Brauerei so wenig wie möglich für den Grupo zahlen würde, wenn das ihr Spielplan ist. In dieser Hinsicht liegen die Interessen von Modelo und Bud also nicht mehr vollständig auf einer Linie. Fernandez hat also richtig gehandelt, als er sich aus dem Board von Bud verabschiedet hat.

Doch trotzdem sollte Bud das Glas als halb voll ansehen. Der Bierbrauer ist vielleicht nicht in der Lage, Modelo jetzt zu kaufen. Aber eine konkurrierende Offerte könnte ohnehin entscheidend dafür sein, InBev dazu zu zwingen, einen höheren Preis zu bieten. Die mexikanische Gruppe ist bereits an der Börse in Mexiko notiert, aber ihre frei verfügbaren Anteile sind begrenzt. Mit einem 50prozentigen Anteil sollte sich ein beträchtlicher Aufschlag erzielen lassen. Wenn Modelo einen Werber aufgabeln könnte, würde dies den Mexikanern einen neuen, höheren Wert verleihen. Bud könnte dann InBev mit einer robusteren, auf Wertschöpfung basierenden Verteidigung entgegen treten.

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