Buffett
Der listige Warren

Das „Orakel von Omaha“ hatte die Investoren im Mai mit einer mysteriösen Währungswette herausgefordert. Wie sich jetzt herausgestellt hat, ging es um den brasilianischen Real. Wichtiger jedoch ist, dass Warren Buffett sich vollständig von Petrochina getrennt hat – mit Milliarden an Gewinnen und einem weiteren Vorteil.

Dem Tüchtigen hilft das Glück. Warren Buffett hat endlich das Geheimnis um seine mysteriöse Währungswette gelüftet. Sie drehte sich um den brasilianischen Real und sie ging gut für ihn aus. Aber selbst wenn er daraus einen neunstelligen Gewinn einstreichen kann, verblasst sie bis zur Unkenntlichkeit neben seinem jetzt vollzogenen Ausstieg aus Petrochina - mit Gewinnen, die gut und gern in die Milliarden gehen.

Petrochina zu verkaufen, sei zu "hundert Prozent" eine finanzielle Entscheidung gewesen, sagte Buffett in einem seiner seltenen Fernseh-Live-Interviews. Da die Aktien um mehr als das Zehnfache gestiegen sind, seitdem er sie vor etwas mehr als vier Jahren gekauft hatte, ist nichts falsch an der Begründung.

Buffet beklagte sich allerdings, er habe ein wenig zu früh verkauft, denn die aufgeheizten Rohölpreise haben seit seinem Ausstieg die Aktien von Petrochina noch ein Stück höher getragen. Aber es ist charakteristisch, dass das sehr frühe Erkennen einer Gelegenheit ihm auch die Deckung für einen Rückzug gegeben hat, der seinen sorgfältig gepflegten Ruf geschützt.

Bei der Jahreshauptversammlung von Berkshire Hathaway in Omaha im Mai, hatte Buffett einen eloquent vorgetragenen Appell einer Gruppe von Aktionären abgewehrt, die Beteiligung zu veräußern. Stein des Anstoßes war die Tätigkeit der Muttergesellschaft von Petrochina im Sudan, die angeblich finanziell in entsetzliche Vorgänge in Darfur verwickelt gewesen sein soll. Der "Weise von Omaha" argumentierte - mit Recht -, dass die Investition rein finanzieller Natur und Petrochina selbst nicht im Sudan tätig sei. Aber Buffett klang ein wenig betreten, da er doch gewöhnlich so viel Wert darauf legt, menschenfreundlich zu erscheinen.

Seine clevere Art der Öffentlichkeitsarbeit war auch bei seiner Investition in die brasilianische Währung zu beobachten. Bei mindestens einem Auftritt in der jüngsten Zeit hat er angeblich wiederholt die Bemühungen der brasilianischen Regierung, ihre Währung abzuwerten, in Frage gestellt. Das ist zweifellos wieder eine legitime Ansicht, aber sehr nützlich, wenn Berkshire immer noch in Real investiert ist.

Der legendäre Investor reist in der kommenden Woche nach China und Südkorea. Wer weiß, welche Beteiligungen er als Ersatz für Petrochina ausgraben - und monatelang verschweigen - wird.

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