Buyout-Modelle
Zurück in die Zukunft

KKR und General Atlantic kaufen für 1,65 Mrd. Dollar die Beratungssparte des Rüstungsunternehmens Northrop Grumman. Die Ausgründung erinnert an die opportunistischen Deals, die an der Tagesordnung waren, bevor Übernahmen enorme Ausmaße annahmen. Auch die Kapitalstruktur ist überschaubar. Das “neue” Modell für fremdmittelfinanzierte Übernahmen bildet sich heraus.
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Das "neue" LBO-Modell: Kohlberg Roberts und General Atlantic gehen mit ihrer jüngsten Übernahme zurück in die Zukunft. Die Beteiligungsgesellschaften kaufen für 1,65 Mrd. Dollar die Beratungssparte TASC des Rüstungsunternehmens Northrop Grumman. Die Ausgründung erinnert an die opportunistischen Abschlüsse, die an der Tagesordnung waren, bevor Buyouts enorme Ausmaße annahmen. Auch die Kapitalstruktur des Deals sieht überschaubar aus.

Mit einem Deal, wie er noch vor wenigen Jahren typisch war, hat das Geschäft allerdings kaum etwas gemein. Damals schien die Größe genau so wichtig wie der Wert. Private Equity-Firmen boten hohe Aufschläge für riesige Aktiengesellschaften und die Übernahmen erreichten einen Umfang von bis zu 50 Mrd. Dollar. Die Banken stellten Kredite bereit, die das Achtfache des Ergebnisses vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) umfassten. Viele dieser Abschlüsse haben jetzt schwer zu kämpfen.

Im Vergleich dazu mutet der Buyout von TASC gar ein wenig altmodisch an. Die Rüstungsfirma Northrop muss den Beratungsbereich verkaufen, da dessen Besitz nun von der US-Regierung, dem größten Kunden von Northrop, als mögliche Quelle für einen Interessenskonflikt erachtet wird. Die Beteiligungsgesellschaften mussten daher keine Wucherpreise bieten, um einen unwilligen Verkäufer zu überzeugen.

Auch das Niveau des bei dem Abschluss eingesetzten Fremdkapitals weckt Erinnerungen an die Deals, die vor dem Boom üblich waren. Das Verhältnis von Fremdkapital zum Ebitda liegt bei etwa fünf und damit innerhalb des Hebelspektrums, das bei Buyouts zwischen 1999 und 2004 verzeichnet worden war, wie aus dem Leverage Commentary and Data von Standard & Poor?s hervorgeht.

Die Transaktion könnte auch Aufschluss darüber geben, wie der Umfang von Übernahmen der neuen Generation beschaffen sein könnte. Im Vorfeld des Booms, zwischen 2000 und 2003, wäre der Kauf von TASC ohne Schwierigkeiten mehrmals unter den zehn größten Buyouts gelandet, berichtet Dealogic. Der größte Deal für die neuerdings bescheidene Bruderschaft der Private Equity-Unternehmen bisher in diesem Jahr war die Übernahme von IMS Health durch TPG über fünf Mrd. Dollar in der vergangenen Woche.

Doch auch Abweichungen vom alten Modell lassen sich erkennen. Der TASC-Deal schließt Mezzanin-Finanzierungen mit ein, die sowohl Fremd- als auch Eigenkapitalmerkmale umfassen und die auch bei dem Buyout von IMS Health eine Rolle spielten. Die fremdmittelfinanzierten Übernahmen der alten Schule bedurften dieser Finanzierungsschicht nicht immer. Doch bei derlei Übernahmen könnte dies jetzt zumindest so lange zum Standard gehören, so lange reine Fremdmittelfinanzierungen noch relativ selten sind.

Auf jeden Fall bildet sich das "neue" Buyout-Modell langsam deutlicher heraus - und es sieht ein bisschen so aus wie das alte.

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