Cablevision
Kampfgeist gefragt

Das Billig-Gebot der Familie Dolan über 22 Mrd. Dollar für Cablevision hatte die Investoren in eine Zwickmühle gebracht. Sie könnten den Abschluss ablehnen und einen Wertverlust ihrer Investition riskieren. Oder sie könnten die Offerte annehmen und damit einen Präzedenzfall für die Zukunft schaffen, wenn wieder einmal die Rechte der Minderheitsaktionäre beschnitten werden sollen.

Manchmal muss man über die Schmerzgrenze hinausgehen, um zu gewinnen. Das gilt gleichermaßen für das Investieren als auch für den Sport. Fragen Sie ruhig einmal die Aktionäre von Cablevision, die eine Offerte der über die Mehrheit bei der New Yorker Kabelgruppe verfügenden Dolan-Familie über 22 Mrd. Dollar abgelehnt haben. Die Aktien werden jetzt mit einem Abschlag um 15 Prozent gegenüber dem Kurs von 36,26 Dollar je Aktie gehandelt, den die Familie Dolan geboten hatte.

Mit der Ablehnung des Übernahme-Angebots – dem vierten der Familie innerhalb von zwei Jahren – haben die Aktionäre deutlich gemacht, dass sie nicht wie Bürger zweiter Klasse behandelt werden wollen. Die Dolan-Familie hat das Bieterverfahren für Cablevision nie nach außen geöffnet. Und die Investoren hatten zu Recht argumentiert, dass eine auf eine Partei beschränkte Auktion niemals den besten Preis für die Vermögenswerte der Gesellschaft hervorbringen wird.

Während die Offerte Cablevision zwar mit dem Neunfachen des für 2008 prognostizierten Ergebnisses vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisation (Ebitda) bewertet – ein leichter Aufschlag gegenüber den Branchenkonkurrenten, - wäre das Unternehmen einem Wettbewerber wie Time Warner Cable wahrscheinlich viel mehr wert gewesen. Die Investoren vermuten ohnehin, dass die Dolans den Kabelbereich über kurz oder lang an Time Warner Cable weitergeben wollen.

Aber der Familie Dolan eine Abfuhr zu erteilen, war keine einfache Entscheidung. Die Familienmitglieder beharrten darauf, sie würden rivalisierende Offerten nicht in Betracht ziehen, und sie halten mehr als 70 Prozent der Stimmrechte. In diesem Sinne war die Entscheidung gegen den Deal eine Form der Selbstgeißelung der Investoren, besonders angesichts der Kursverluste, die die Aktien von Kabelgesellschaften in den vergangenen Wochen erlitten haben.

Aber die Botschaft ist wichtig: Aktionäre der Gründerfamilien, die Stimmrechte besitzen, die ihren wirtschaftlichen Besitz nicht widerspiegeln, können die Aktionäre nicht herumschubsen wie sie wollen. Investoren anderer Unternehmen mit einer ähnlichen Beteiligungsstruktur – von der New York Times über Blackstone zu Google – könnten eines Tages den Präzedenzfall zu schätzen wissen, den die Eigentümer von Cablevision den Dolans jetzt signalisiert haben.

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