Cadbury
Oh, das schmeckt!

Cadbury hat die Prognose für den Umsatz und die Margen erhöht. Alles andere hätte die Abwehrmaßnahmen des britischen Süßwarenherstellers gegen das unerwünschte Übernahmeangebot von Kraft über zehn Mrd. Pfund auch weit zurückgeworfen. Kraft verfügt nun über eine willkommene Ausrede, seine Billigofferte nachzubessern. Doch der Nahrungsmittelhersteller sollte sich dabei nicht zu weit aus dem Fenster lehnen.
  • 0

Cadbury hat Kraft Foods eine willkommene Ausrede geliefert, das Übernahme-Angebot über 10,2 Mrd. Pfund Sterling zu erhöhen. Der britische Süßwarenhersteller hat die Prognosen für seine Umsätze und Margen für das Gesamtjahr angehoben. Aber er hat dabei nicht zeigen können, dass die Firma dem US-Beutejäger bedeutend mehr wert sein könnte, als der Markt dies annimmt.

Das Umsatzwachstum wird in diesem Jahr eher im mittleren Bereich statt am unteren Ende eines Spektrums von vier bis sechs Prozent rangieren. Die zugrunde liegenden Betriebsgewinnmargen werden sich um 135 Basispunkte erhöhen gegenüber den im Vorjahr erreichten 11,9 Prozent. Und noch besser: Die Margen sollten bis 2011 um die 15 Prozent erreichen.

Nach zwei Jahren der sich verbessernden Umsätze und Rentabilität klingen die Vorhersagen von Cadbury glaubwürdig. Aktionäre, die unter allen Umständen die Kraft-Titel annehmen würden, müssen diese Aussichten gegen die Bestrebungen der US-Werber – die allerdings noch keine feste Prognose darstellen –, abwägen, ein Umsatzwachstum um fünf Prozent und darüber für die zusammengelegte Gruppe nach einem Deal erreichen zu wollen.

Analysten kritisierten, dass die Volumina von Cadbury tatsächlich rückläufig waren, so dass sich die Umsätze nur erhöhten, weil die Preise angehoben wurden. Dieser Wachstumsansatz könnte nicht aufrecht zu erhalten sein. Doch Cadbury verdient es, dass man ihm erst einmal Glauben schenkt, wenn das Unternehmen behauptet, die Mischung aus Menge und Preisfestsetzung unter Kontrolle zu haben.

Die leicht besseren Aussichten von Cadbury, eigenständig bleiben zu können, werden wahrscheinlich keine großen Auswirkungen auf den Aktienkurs haben. Die Titel verharren bei etwa 800 p – und damit um sieben Prozent über dem Angebot von Kraft von 745 p je Aktie vom 7. September. Der Markt bewertet vernünftigerweise die Cadbury-Titel dahingehend, wie viel sie für Kraft wert sein könnten. Die neue Prognose wird den Kurs bestenfalls ein klein wenig nach oben drücken.

Trotzdem kann die Präsentation als dreifacher Erfolg gewertet werden. Zunächst einmal wäre es zum gegenwärtigen Zeitpunkt katastrophal für Cadbury gewesen, keinen guten Eindruck gemacht zu haben. Zweitens wird es für Kraft aufgrund der guten Ergebnisse viel schwerer, Cadbury in eine rein feindliche Übernahme hineinzuziehen. Und schließlich könnten die positiveren Aussichten den Schaden für die Cadbury-Aktien eingrenzen, falls sich Kraft zurückzieht.

Kraft kann jetzt seine Billig-Offerte anheben, ohne dabei das Gesicht zu verlieren. Aber die Firma muss nach wie vor nur den Marktkurs übertreffen und Cadbury hat einen Teil seines Pulvers jetzt verschossen.

Kommentare zu " Cadbury: Oh, das schmeckt!"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%