Cadbury
Süßer Aktivismus

Der aktivistische Investor Nelson Peltz hat dem Board des britischen Süßwarenherstellers Cadbury ein Schreiben zukommen lassen. Darin verlangt er, Cadbury müsse die Gewinnspannen verbessern. Das ist fast so, als würde man eine Handgranate in das verschlafene Tal der britischen Corporate Governance werfen. Noch ist nicht klar, ob Peltz genau so scharf zubeißt wie er bellt. Aber Recht hat er.

Nach Ansicht von Nelson Peltz muss Cadbury besser in Form kommen. Der Investor, der sich im vergangenen Jahr bei Heinz eingekauft hatte, hat jetzt seine Aufmerksamkeit auf den britischen Süßwarenhersteller gerichtet, an dem er einen Anteil von 4,5 Prozent hält. Peltz hat dem Board des Unternehmens ein 14seitiges Schreiben zukommen lassen, in dem er fordert, dass Cadbury seine Gewinnspannen verbessert, mehr Vorstandsmitglieder zulässt und mehr Fremdkapital aufnimmt. Das ist fast so, als würde man eine Handgranate in das verschlafene Tal der britischen Corporate Governance werfen.

Peltz hat Recht. Sicher, der von ihm gewählte Zeitpunkt mutet etwas seltsam an. Cadbury befindet sich bereits in einem umfangreichen Umbau. Das Unternehmen wird Anfang des kommenden Jahres seinen US-Limonadenbereich abspalten, es schließt Fertigungsanlagen und gestaltet seine Organisationsstruktur neu. Cadbury-Chef Todd Stitzer hat bereits angekündigt, dass die Umsätze für das Jahr über seinem Ziel von vier bis sechs Prozent liegen dürften - jetzt, da das Unternehmen endlich einen Schlussstrich unter seine wiederholten Gewinnwarnungen, Bilanzierungsskandale und die Hysterie über Nahrungsmittelvergiftungen gezogen hat.

Aber Cadbury ist nicht so weit, wie es sein sollte. Die Gewinnspannen bei Süßwaren von rund zehn Prozent hinken so ziemlich jedem hinterher, der im Verbrauchsgüterbereich tätig ist. Stitzer verspricht, sie bis 2011 in den mittleren zweistelligen Bereich zu hieven. Aber Wrigley und Hershey liegen jetzt schon bei über 18 Prozent. Cadbury hat zwar eine stärkere Präsenz in den aufstrebenden Märkten mit einer niedrigen Gewinnspanne. Aber auch im Verhältnis zu anderen Firmen wie Unilever und Danone, die ebenfalls in den sich entwickelnden Volkswirtschaften tätig sind, ist Cadbury ein Nachzügler.

Es ist noch nicht klar, ob Peltz genau so scharf zubeißen kann wie er bellt. Er müsste einen Anteil von zehn Prozent der Cadbury-Aktien ergattern, um eine Hauptversammlung einberufen zu können, wenn er wie bei Heinz eigene Vorstandsmitglieder durchdrücken wollte. Und selbst wenn er das durchsetzen könnte, steht immer noch nicht fest, ob die eher gesetzten britischen Institutionen einen Aktivismus auf der Überholspur à la Peltz unterstützen wollten.

Cadbury sollte trotzdem aufhorchen. Wenn Stitzer enttäuschende Ergebnisse abliefert, könnten Nestle, Mars und Hershey alle scharf darauf sein, sich ein Stück vom Kuchen des Süßwarenherstellers einzuverleiben – besonders seine Stellung im globalen Kaugummi-Geschäft, das fast ein Oligopol darstellt. Und während die Beteiligungsgesellschaften derzeit vermutlich nicht einsatzfähig sind, hat Peltz allerdings die Unterstützung des Staatsfonds von Katar, der topfit ist und vor Liquidität nur so strotzt. Diese Bedrohung allein sollte Cadbury schon zu denken geben.

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