Cadbury
Zeit zum Nachdenken

Cadbury will seine US-Getränkesparte abspalten und den Aktionären übergeben. Das ist eine vernünftige Entscheidung, die langfristig sogar den Weg zu zwei Abschlüssen statt nur einem ebnen könnte.

Cadbury hat etwas erreicht, von dem viele Kunden des Süßwarenkonzerns träumen: ein bisschen abzuspecken. Die Aktien des britischen Unternehmens haben etwa 15 Prozent verloren, seit die Kreditkrise das Management gezwungen hat, Pläne für den Verkauf der US-Getränkesparte auf Eis zu legen. Jetzt will Cadbury den Bereich stattdessen abspalten und den Aktionären übergeben. Das ist eine vernünftige Entscheidung, die langfristig sogar den Weg zu zwei Abschlüssen statt nur einem ebnen könnte.

Das Getränkegeschäft im nächsten Jahr an die US-Börsen zu bringen, ist besser, als sie für weniger als die ursprünglich veranschlagten sieben bis acht Mrd. Pfund Sterling an Beteiligungsgesellschaften zu verkaufen. Blackstone und KKR haben angeblich 6,5 Mrd. Pfund geboten und dabei viele Auflagen gemacht. Die Verzögerung - eine Ausgliederung wird nicht vor Mitte 2008 stattfinden - gibt Übernahme-Firmen Zeit, sich wieder aufzurappeln, falls sich die Lage auf den Kreditmärkten verbessert. Selbst nach einer Abspaltung können die Aktionäre selbst über die Vorzüge einer möglichen künftigen Offerte entscheiden.

In der Zwischenzeit bekommt auch Cadbury mehr Zeit, ihr Süßwarengeschäft zu ordnen. Dort hinken, trotz eines Umsatzwachstums um zehn Prozent, die geschätzten Gewinnspannen von nur knapp über neun Prozent hinter denen der Konkurrenz her. Der US-Rivale Hershey ist doppelt so rentabel, und der Kaugummihersteller Wrigley liegt sogar noch leicht darüber. Teilweise ist das auf die Präsenz von Cadbury in aufstrebenden Märkten mit niedrigen Margen zurückzuführen. Aber Chef Todd Stitzer muss noch mehr tun, um Cadbury auf das Niveau im mittleren Zehnerbereich der Konkurrenten Nestle und Danone zu bringen.

Falls ihm das gelingt, könnte ein weiterer Abschluss am Horizont auftauchen: ein Zusammenschluss mit Hershey. Damit hätte Cadbury Zugang zum US-Markt, wo die Briten immer noch unter "ferner liefen" rangieren. Im Moment besteht für Cadbury kein Anlass, einen Deal zu einem Aufschlag abzuschließen. Hershey verliert Marktanteile und ist stark vom langsam wachsenden Schokoladen-Segment abhängig. Außerdem hat der Trust, der Hershey kontrolliert, nicht die Absicht, seinen Einfluss aufzugeben. Aber wenn die Aktien der US-Gruppe ihre schnelle Talfahrt fortsetzen, könnte der Hershey-Trust vielleicht doch noch auf den Geschmack einfacher Kost kommen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%