Carlsberg
Auf ein Bierchen

Es ist nicht klar, was Carlsberg und sein Partner Heineken mit einer Offerte von 720 p je Aktie für den britischen Konkurrenten S&N zu erreichen hoffen. Das ist niedriger als der derzeitige Kurs von S&N. Vielleicht versuchen die Brauereien, die Preisvorstellungen nach unten zu drücken. Vielleicht ist das Billig-Gebot aber auch ein Zeichen für Probleme im Konsortium.

Was bedeutet „lächerlich“ eigentlich genau? Die Vorstandsgremien von Übernahmekandidaten neigen bei der Ablehnung von Offerten oft zu sprachlichen Übertreibungen, nur um dann einige Wochen später in nur geringfügig aufgebesserte Gebote einzuwilligen. Der gemeinsame Antrag von Carlsberg und Heineken an Scottish & Newcastle (S&N) hält den Ball sicher ganz flach. Mit 720 p je Aktie liegt die Offerte nicht nur um 40 p unter dem derzeitigen, von dem Übernahmeversuch beflügelten Kurs von S&N. Sie markiert auch das untere Ende der von den Gebotspartnern selbst signalisierten Spanne von 720 bis 750 p. Es hat also nie auch nur die geringste Chance bestanden, dass der Board von S&N die Offerte empfehlen würde. Andererseits liegt der gebotene Preis nur um elf Prozent unter der Marke von 800 p, einem Niveau, bei dem der Markt signalisiert, dass der Abschluss erfolgen könnte. Also ist der Vorschlag vielleicht gar nicht so lächerlich.

Und doch bleibt die interessante Frage, was Carlsberg und Heineken mit ihrer Billig-Offerte erreichen wollen. Manchmal wird diese Taktik eingesetzt, um die Markterwartungen zu dämpfen. Sie soll dem Bieter den Weg ebnen, den Sieg mit einer nur geringfügig erhöhten Offerte davonzutragen. Aber oft ist ein solches Vorgehen auch ein Vorbote dafür, dass der Bieter mit leeren Händen davonschleicht. Denken Sie nur an die vergebliche Offerte von Macquarie für die Londoner Börse. In jenem Fall lag der Markt mit seinem Nein richtig.

Das Problem bei einem derart niedrigen Gebot ist, dass niemand verpflichtet ist, es ernst zu nehmen. Deshalb können Carlsberg und Heineken die Aktionäre nicht in eine echte Diskussion über den eigentlichen Wert von BBH, dem russischen Gemeinschaftsunternehmen von Carlsberg und S&N, einbeziehen. Carlsberg scheint der Meinung zu sein, keinen Aufschlag für die Beherrschung des Unternehmens zahlen zu müssen, um diesen Preis davonzutragen, weil S&N auf Basis der Eigenständigkeit über keine Mehrheit verfügt. Aber S&N kann andere Wege finden, um den Wert seiner Beteiligung an BBH zu realisieren. So könnte sich die Brauerei zum Beispiel einer in der Joint-Venture-Übereinkunft festgelegten Zwangsklausel bedienen und für die zu Carlsberg gehörende Hälfte des JV bieten. Oder sie könnte ihren Anteil an einen großzügigen Konkurrenten verkaufen.

Natürlich könnte die niedrige Offerte auch nur auf die Schwierigkeiten hindeuten, ein Konsortium aus zwei großen Konkurrenten zu bilden, besonders weil Carlsberg dabei eindeutig viel mehr gewinnen kann. Tatsächlich schließt die Komplexität des Abschlusses alles andere als eine feindliche Übernahme aus. Dadurch verringern sich die Optionen für das Konsortium, da die Familie Hartwall Anteile über 14,25 Prozent an S&N hält und ihre Unterstützung ausschlaggebend für die Erlangung der Mehrheit ist. Da die Familie im Vorstand von S&N sitzt, und dieser Vorstand die Offerte des Konsortiums ja gerade als lächerlich zurückgewiesen hat, dürfte deren Unterstützung derzeit kaum zu bekommen sein.

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