Carlsberg
Mutige Dänen

Carlsberg kann sich glücklich schätzen, für seine Bezugsrechtsemission über sechs Mrd. Dollar derart gute Konditionen zu erhalten. Die dänische Brauerei weist einen hohen Verschuldungsgrad auf, die neuen Aktien kommen praktisch ohne Stimmrechte und der Mehrheitsaktionär kann selbst keine liquiden Mittel einbringen.

Die Banken von Carlsberg gehen bei der vollständigen Übernahme der Bezugsrechtsemission der dänischen Brauerei schwungvoll an das Risiko heran. Die Kapitalerhöhung über sechs Mrd. Dollar, die teilweise dazu eingesetzt werden soll, den Kauf der Hälfte des britischen Konkurrenten Scottish & Newcastle (S&N) über zwölf Mrd. Dollar im Januar zu finanzieren, wurde von den beteiligten Banken zu überraschend günstigen Konditionen garantiert.

Die neuen Aktien werden auf den ersten Blick mit einem ziemlich großen Abschlag angeboten - nämlich 40 Prozent unter dem Schlusskurs von Donnerstag. Gegenüber dem theoretischen Kurs, zu dem die Aktien nach der Emission gehandelt werden dürften, beläuft sich die Ermäßigung jedoch nur auf 25 Prozent. Das ist beträchtlich knapper als bei den jüngsten Emissionen durch HBOS, RBS und Bradford & Bingley.

Auch sonst haben sich die Banken, darunter Lehman Brothers und BNP Paribas, nicht risikoscheu gezeigt. Die Gebühren für die Bezugsrechtsemission sind mit weniger als 1,5 Prozent ungewöhnlich niedrig, sagen mit der Situation vertraute Personen. Und da es keine Sub-Zeichner gibt, bleibt das Risiko in den Bilanzen der Banken, bis die Aktien verkauft sind.

Woher kommt dieser Überschwang? Ein Grund dafür mag sein, dass sich Carlsberg nicht in einer Notsituation befindet. Die Geschichte hinter der Kapitalerhöhung - ein Deal in einem aufstrebenden Markt, der das Potenzial einer grundlegenden Veränderung in sich trägt - sollte den Käufern besser gefallen als die jüngste Reihe von Bankenrettungen. Die Aktien der Brauerei sind um rund 20 Prozent gestiegen, seitdem der Abschluss mit S&N erzielt worden ist.

Aber die Zeichnungskonditionen sehen trotzdem besser aus als Carlsberg dies verdient. Wenn die Dänen die Hälfte von S&N kaufen, dann werden sie bis über beide Ohren verschuldet sein. Die Nettoverbindlichkeiten werden fast das Vierfache des für das laufende Geschäftsjahr prognostizierten Ergebnisses vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen betragen. Und die Brauerei wird riskanten Märkten wie Russland und Kasachstan in hohem Maße ausgesetzt sein.

Die Investoren werden dabei gleichzeitig gebeten, Aktien zu schlucken, die praktisch ohne Stimmrecht kommen, wohl wissend, dass der Mehrheitsaktionär - die Carlsberg-Stiftung - seinen Beitrag nicht leisten wird. Die Stiftung kann nur mit den liquiden Mitteln, die durch den Verkauf von Stimmrechten erlöst werden, Aktien kaufen. Sie wird also überhaupt kein frisches Geld einbringen. Da sie aber über gesonderte, höher gewichtete Stimmrechte verfügt, bleibt ihre Kontrollposition dennoch unangetastet.

Da andere Bezugsrechtsemissionen, die nicht mit der Rettung einer Bank zusammenhängen, dünn gesät sind, ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass die Banken auf Bündeln von unverkauften Aktien sitzen bleiben. Aber ihre Großzügigkeit ist und bleibt bemerkenswert. Vermutlich sagt sie mehr über den erbärmlichen Zustand der Aktien- und Kapitalmärkte aus - und wie wichtig es ist, prahlen zu können - als über das Vertrauen der Zeichner in das Geschick der Dänen, gute Deals abzuschließen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%