Carrefour
Kein Champion

Die Aktien von Carrefour befinden sich auf der Talfahrt, seitdem die Pläne des Einzelhändlers, bei seinen französischen Supermärkten eine Kehrtwende herbeizuführen, die Investoren enttäuscht haben. Luxusgüter-Mogul Bernard Arnault und der US-Fonds Colony Capital haben zusammen über eine Mrd. Euro bei ihren Carrefour-Investitionen verloren. Und es könnte noch schlimmer kommen.

Carrefour sitzt in der Klemme. Die Aktien der französischen Supermarktkette sind am Donnerstag um rund neun Prozent gefallen, nachdem ein Plan zur Ankurbelung der Inlandsgeschäfte die Investoren kalt gelassen hat. Der Einzelhändler warnte überdies, dass die Prognosen zum Betriebsgewinn, die erst vor einem Monat getroffen worden waren, nicht eingehalten werden. Bernard Arnault, der Luxusmarken-Milliardär, und der US-Immobilienfonds Colony Capital, haben bei ihrer Beteiligung nun zusammen 1,3 Mrd. Euro verloren. Aber weder das Unternehmen noch jene Investoren scheinen in der Lage zu sein, das Schicksal der Gesellschaft zum Besseren zu wenden.

Die jüngsten Schwierigkeiten von Carrefour sind dem Einzelhändler aus seinem lang erwarteten Plan erwachsen, bei ihrer französischen Supermarktkette Champion eine Kehrtwende herbeizuführen. Die Investoren haben auf das Vorhaben in dieser Woche enttäuscht reagiert, da keine nennenswerten Synergien zu erkennen waren. Aber die Rentabilität der französischen Geschäfte von Carrefour stellt schon lange die Achillesferse der Firma dar - und die Wirtschaft des Landes ist innerhalb der Eurozone jetzt mit am stärksten in Mitleidenschaft gezogen worden.

Das Verbrauchervertrauen hat den niedrigsten Stand seit 13 Jahren erreicht und die Inflation ist zur Hauptsorge der Franzosen geworden, wie die jüngsten Indikatoren aufzeigen. Der einzige Weg für die Einzelhändler, die Bedenken der Verbraucher über die zunehmende Teuerung zu zerstreuen, wäre es, die Art von Preiskrieg zu führen, die ernsthaft die Rentabilität beschneiden würde. Aber die Betriebsgewinnspannen von Carrefour sind bereits um ein Drittel niedriger als die des britischen Konkurrenten Tesco.

Arnault und Colony hatten sich im März 2007 gemeinsam mit neun Prozent an Carrefour beteiligt. Sie sind im Vorstand vertreten, haben die Familie, die sich im Besitz der Mehrheit befindet, hinausgedrängt, haben die Struktur der Unternehmensführung geändert und vor zwei Monaten ihren gemeinsamen Anteil auf elf Prozent erhöht. Jetzt haben sie rund ein Drittel ihrer Investition eingebüßt.

Ihre Vorstellung war es gewesen, Werte abzuschöpfen, indem sie die Immobilienanlagen der Firma ausgliedern. Aber Anfang des Jahres sah sich Jose Luis Duran, der Chef von Carrefour, gezwungen, aufgrund der Marktgegebenheiten einen Plan auf Eis zu legen, einige dieser Vermögenswerte an die Börse zu bringen. Und selbst eine später noch stärker abgespeckte Version, der zufolge nur noch Vermögenswerte über 1,5 Mrd. Euro in einer Privatplatzierung verkauft werden sollten, sieht jetzt plötzlich optimistisch aus.

Das Aktionärsduo könnte sich angesichts der Möglichkeit, die Talsohle noch nicht erreicht zu haben, überlegen, radikaler vorzugehen. Aber sie müssten die klugen Ideen, die sie vielleicht für die Zukunft des Unternehmens hegen, schon klar formulieren. Bisher haben sie ein Geheimnis daraus gemacht.

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