Carry-Trades
Das Rumoren beim Rubel

Die russische Währung durchlitt eine Mini-Korrektur, in deren Verlauf sie die Gewinne der vergangenen Wochen wieder abgeben musste. Schuld daran waren vor allem der geringere Ölpreis und die erneuten Sorgen der Investoren über die Emerging Markets. Aber auch Russlands Bemühungen, Rubel-Carry-Trades einzuschränken, zeigen Wirkung.
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Der Höhenflug des Rubel schien noch vor ein paar Tagen kaum zu stoppen. Plötzlich aber geriet die russische Währung ins Stolpern und verlor innerhalb von nur zwei Wochen 5 Prozent gegenüber dem Euro/Dollar-Korb. Damit wurden die Gewinne einer drei Monate andauernden Rallye komplett wieder zunichte gemacht. Für die Bank of Russia eine Erleichterung.

Die Ursachen für den Kursrückgang sind vielfältig. Die russische Wirtschaft ist hochgradig abhängig von Energie, der jüngste Ölpreisrutsch wirkt sich also negativ auf den Rubel aus. Gleichzeitig hat der Dubai-Schock Anleger wieder sensibler gegenüber Emerging-Market-Risiken gemacht. Und die Erwartung einer restriktiveren US-Geldpolitik könnte einige Investoren veranlasst haben, ihre dollarfinanzierten Carry-Trades, mit denen sie von den hohen russischen Zinsen profitierten, wieder rückgängig zu machen.

Russlands Zentralbank wird darüber nicht allzu unglücklich sein. Schon mehrfach in diesem Jahr hatte sie versucht durch sukzessive Zinssenkungen den Zufluss spekulativer Gelder zu begrenzen - auch wenn die Zinsdifferenz verglichen mit den westlichen Volkswirtschaften bis zum Schluss noch beträchtlich blieb. Wenn sich durch den Rubelfall jetzt einige Investoren verbrannt haben, könnte das zur Folge haben, dass die spekulative Blase an den russischen Wertpapierbörsen ausbleibt.

So lange der Kursrückgang geordnet und in maßvollem Umfang erfolgt, könnte er die nach wie vor fragile Konjunkturerholung in Russland stützen. Nach jüngsten Wirtschaftsanalysen ist der Output im produzierenden Gewerbe immer noch rückläufig, ein Hinweis darauf, dass der starke Rubel die russische Exportwirtschaft in Mitleidenschaft gezogen hat. Inflationsrisiken sind dagegen augenblicklich kein Thema.

Das aktuelle Ölpreisniveau von um die 73 Dollar pro Barrel stellt Russland noch nicht vor besondere Herausforderungen. Ein weiterer Rückgang der Energiepreise wäre allerdings für die russische Wirtschaft und damit auch für den Rubel schädlich. Bis dahin aber dürfte die Bank of Russia nur froh sein, dass der Rubel ein wenig von seinem spekulativen Rückenwind verliert.

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