CDB/Dresdner
Zur Wiederholung verdammt

Berichten zufolge will die China Development Bank das deutsche Kreditinstitut übernehmen, um an ihr Investmentbanking-Know-how heranzukommen. Die Dresdner kaufte aus dem gleichen Grund Kleinwort Benson und Wasserstein Perella – beides Kapitel aus der qualvollen Übernahmehistorie des Unternehmens. Die Lektion aus der Bankengeschichte: So geht es nicht.

Die leidvollen Erfahrungen der Dresdner Bank mit Unternehmensakquisitionen scheinen ihre blauäugigen Nachahmer nicht zu schrecken. Der jüngste Möchtegern-Retter des problembeladenen deutschen Instituts soll Berichten zufolge die China Development Bank sein, der in Peking beheimatete Finanzierer öffentlicher Infrastrukturvorhaben. Wie viele chinesische Banken ist CDB versessen darauf, viel Geld in westliche Finanzwerte zu investieren, um an das dringend benötigte Bankenfachwissen zu gelangen.

Aber auf solche Weise Fachwissen einzukaufen kann sich als teurer Ausflug nach Nirgendwo entpuppen. Auch die Dresdner folgte ihren deutschen Vorbildern nach London, um 1995 Investmentbanking-Fähigkeiten zu finden. Für 1,5 Milliarden Dollar erwarb sie Kleinwort Benson, eine früher einmal führende britische Investmentbank, die mit den aggressiveren amerikanischen Konkurrenten nicht Schritt gehalten hatte. Das Geschäftsfeld geriet unter Druck, als der geplante Zusammenschluss zwischen der Dresdner und dem größeren Wettbewerber Deutsche Bank platzte - letztendlich durch den Widerstand bei Kleinwort - und es zu Massenabwanderungen kam.

Die Dresdner blies mit dem Versuch das Investmentbankinggeschäft auszubauen zum Gegenangriff. Zu einem Preis in atemberaubender Höhe kaufte sie auf dem Gipfel des 2000er Booms den berühmten Investmentguru Bruce Wasserstein und seine Investmentboutique Wasserstein Perella. Ein paar Monate später übernahm die deutsche Versicherung Allianz mit hochfliegenden Plänen das Ruder. Sie zahlte 24 Milliarden Euro für die Dresdner, mit der sie im Wesentlichen vom Verbundgeschäft aus Versicherungs- und Bankprodukten profitieren wollte. Hinzu kam jedoch die zusätzliche Hoffnung, durch das wieder erstarkende Investmentgeschäft zu einem stärker global operierenden Powerhouse auf dem Finanzsektor zu werden.

Aber Wasserstein und eine Traube seiner Anhänger liefen zu Lazard über, das Allfinanzgeschäft blieb marginal und die gesamte Dresdner Bank ist heute nicht einmal mehr halb so viel wert wie die Allianz damals für sie zahlte.

Dennoch blieb der Sirenenruf der Dresdner Bank nicht ungehört. Neben CDB ließen sich auch Spaniens Santander und BBVA, Großbitanniens Lloyds TSB, Frankreichs BNP Paribas und Russlands Sberbank von der deutschen Bank anlocken. Die meisten haben inzwischen wieder Abstand genommen, sodass alles dafür spricht, dass die Commerzbank zum nächsten Partner wird - nicht um der Dresdner Unterricht zu erteilen, sondern um eine stärkere deutsche Bank zu bilden, die zudem von einem erheblichen Einsparpotenzial profitieren könnte.

CDB hat inzwischen bei der Investition in westliche Banken schon die erste schmerzhafte Lektion erfahren, das Timing der Übernahme eines Barclays-Anteils erwies sich als denkbar schlecht. Vielleicht hofft sie, mehr zu erfahren, wenn sie gleich die Kontrolle über eine ganze Bank übernimmt. Eines aber kann sie ganz sicher aus dem Studium der Dresdner-Bank-Geschichte lernen: wie man es nicht macht.

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