CDOs
Erstklassiger Junk

Die jähe Herabstufung der Bonitätsbewertung von Hunderten von CDOs mit einem Rating von "AAA" auf - in einigen Fällen - Junk-Status, wird viele neue Produkte schon in den Anfängen abwürgen. Die Rating-Agenturen haben bewiesen, dass ihrem Imprimatur auf Produkten, die erst seit kurzem auf dem Markt sind, nicht zu trauen ist.

CDOs: Währungen, Rohstoffe, geistiges Eigentum - es gibt fast nichts, was die Schlaumeier in Wall Street nicht verbrieft hätten. Aus einigen dieser Schöpfungen mit Bezeichnungen wie CFXOs und CCOs, die anmuten, als hätte man sie aus der Buchstabensuppe gefischt, hätten vielleicht einmal sprudelnde Geldquellen werden können - wie der einst sprießende Markt für mit Hypotheken besicherte CDOs.

CDOs im Allgemeinen sind Wertpapiere, die mit einem Pool von Anleihen, Krediten und anderen Vermögenswerten unterlegt und mit unterschiedlichen Kreditrisiken behaftet sind. Nachdem aber nun die Bonitätsbewertung vieler dieser CDOs regelrecht abgestürzt ist - in manchen Fällen rutschte sie von der Bestnote "AAA" auf den hochspekulativen "Junk"-Status durch -, erscheint eine steile Karriere für diese neuen Konstrukte unwahrscheinlich geworden zu sein.

Diejenigen, die in Wall Street für Produktinnovationen die Werbetrommel rühren, weisen eifrig darauf hin, dass ihre jüngsten Erfindungen frei von giftigen Zusätzen wie Subprime-Hypothekenanlagen zweitklassiger Bonität sind. Aber das spielt nicht wirklich eine Rolle. Das CDO-Debakel hat der Einbildung, der die Märkte für strukturierte Finanzprodukte einmal völlig erlegen waren, einen empfindlichen Stich versetzt: dass nämlich die Bonitätseinstufungen eine gute Messlatte für das zugrunde liegende Risiko sind.

Die Investoren, die Abermilliarden an Dollar verloren haben, weil sie sich auf diese Ratings verlassen haben, dürften das nicht so schnell vergessen. Einige haben tatsächlich ganz aufgegeben. Tetragon, ein Investmentfund mit Sitz auf Guernsey, hat gerade auf die jüngste Runde von Rating-Rücknahmen reagiert und sein Portfolio, das einmal durch Wohnimmobilien besicherte CDOs über 68 Mill. Dollar umfasst hatte, auf - man beachte - Null abgeschrieben.

Die Tatsache, dass die Agenturen mit Hochdruck ihre Bewertungskriterien revidieren, sagt viel aus. Fitch zum Beispiel hat gerade mitgeteilt, dass ihre Überprüfung eine erhöhte Ausfallwahrscheinlichkeit, geringere Aussichten auf eine Erholung und ein größeres Ausmaß koordinierter Bewegungen bei den Darlehen berücksichtigt, als man erwartet hatte. Wie kam es aber überhaupt erst dazu, dass Fitch und Kollegen all dies falsch eingeschätzt hatten? Ihnen stehen einfach nicht genügend historische Daten darüber, wie sich mit Subprime-Hypotheken besicherte CDOs entwickeln, zur Verfügung, um sie in ihre Modelle einzugeben. Also haben sie dem vertraut, was sie hatten, und den Rest haben sie sich dazu gedacht.

Damit sitzen die erfinderischen Wunderkinder der Wall Street jetzt in der Klemme. Neue Produkte brauchen üblicherweise ein Rating, bevor die Investoren anbeißen. Aber es gibt nicht genug Daten über die Entwicklung der meisten dieser neuen Kreationen, damit diese Bonitätseinstufungen auch nur annähernd akkurat sein könnten. Die Anleger, die sich an den CDO-Abstufungen der vergangenen Woche verbrannt haben, werden es wahrscheinlich nicht eilig haben, künftig auf die gut gemeinten Vermutungen der Rating-Agenturen zu setzen.

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