Cerberus
Der Riecher des Höllenhundes

Als Investor, der auf Notverkäufe spezialisiert ist, hat sich Cerberus einen Namen gemacht. Jetzt lässt der dreiköpfige Höllenhund einige traditionelle Übernahmen fallen. Das ist klug, besonders wenn der Bereich Notverkäufe viel versprechender aussieht. Aber die Anleger sollten hoffen, dass der Höllenhund dieses Mal einen besseren Riecher für Schnäppchen an den Tag legt als bei GMAC.

Es steht nicht zum Besten bei Cerberus Capital Management. Die Übernahme-Firma, die ihren Namen von dem dreiköpfigen Hund ableitet, der die Pforte zur Hölle bewacht, hat sich auf Notverkäufe spezialisiert und sich so eine Nische geschaffen. Jetzt dreht das Unternehmen einer Handvoll traditioneller Übernahmen den Rücken zu. In einer Branche, die stolz darauf ist, ihre Deals durchzuziehen, ist das für den Ruf der Firma nicht gerade zuträglich.

Aber müssen sich die Investoren jetzt Sorgen machen? Nicht unbedingt. Es ist klug, wenn Cerberus noch nicht abgeschlossene Offerten noch einmal überdenkt, wenn sie heute schlechter aussehen als noch vor ein paar Monaten. Das trifft ganz besonders dann zu, wenn man bedenkt, dass die wirtschaftlichen Aussichten kaum rosig zu nennen sind und die traditionelle Nische von Cerberus die Umstrukturierung ist. Das Unternehmen könnte auf ein paar günstige Gelegenheiten warten. Trotzdem sollten die Investoren hoffen, dass der Höllenhund jetzt einen besseren Riecher für Schnäppchen hat als in jüngster Zeit.

Cerberus hat sich bei einigen Abschlüssen wirklich erfolgreich gegen die Marktbewegungen abgesichert. Als der Investor zum Beispiel im April zugestimmt hatte, die Hypothekentochter Option One von H&R Block zu kaufen, hat er sich nicht auf einen genauen Preis festlegen lassen. Stattdessen hat er sich bereit erklärt, bei Abschluss der Transaktion den Buchwert abzüglich 300 Mill. Dollar zu zahlen. Das sieht jetzt sehr clever aus, denn die Probleme auf dem Markt für US-Hypothekendarlehen zweitklassiger Bonität haben sich so verdichtet, dass Option One praktisch wertlos geworden ist. Zudem wurde mit United Rentals eine Gebühr für den Abbruch der Transaktion über 100 Mill. Dollar ausgehandelt, so dass Cerberus zahlen und gehen kann. Genau das versucht das Unternehmen jetzt.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Cerberus im vergangenen Jahr ungeschoren davon gekommen ist. Es irritiert ein wenig, dass Cerberus Zeit und Energie – und in den Fällen, in denen eine Break Fee fällig wird, auch Geld – auf Abschlüsse verschwendet hat, die die Firma dann kurz danach nicht mehr zu Ende bringen will. Darüber hinaus sitzt die Buyout-Firma auf einem Anteil von 51 Prozent an GMAC fest, den sie zusammen mit Partnern von GM gekauft hatte. Auch die Hypothekentocher ResCap – einst das Kronjuwel der Finanzgesellschaft – sieht recht mitgenommen aus. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt kann Cerberus bei diesem Deal eigentlich nur Verluste schreiben.

Es ist zu früh, um sagen zu können, ob ResCap noch einmal die Kurve kriegt. Während Cerberus den zeitlichen Ablauf des Abschlusses nicht vorgegeben hat, so ist doch klar, dass die Firma nicht damit gerechnet hat, dass sich der Hypothekenmarkt in einem solchen Ausmaß verschlechtert, wie es sich jetzt herauskristallisiert. Und es ist schwer vorstellbar, dass Cerberus heute für die Beteiligung an GMAC noch einmal auch nur annähernd so viel Geld hinlegen würde. Bei der Jagd nach Umstrukturierungschancen ist das Timing wichtig. Vielleicht muss der dreiköpfige Höllenhund noch einmal an seinen Instinkten arbeiten.

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