Cerberus
Ehe von Chrysler und GM ist eine Überlegung wert

Theoretisch erscheint eine Fusion zwischen Chrysler und GM logisch, genau so wie eine Zusammenlegung der Autofinanzierungsbereiche der beiden Firmen. Damit wären sie vielleicht für eine Weile außerhalb der Gefahrenzone. Kaum nachzuvollziehen ist allerdings, wie sich dadurch die Investoren von Cerberus von den Toren der Hölle fernhalten wollen.

Die Versuche von Cerberus, seine Detroiter Sprösslinge Chrysler und GMAC an die Leine zu legen, werden nicht weit genug gehen. Um den Autobauer und das Kreditinstitut am Leben zu halten, braucht die Beteiligungsgesellschaft - die nach dem mehrköpfigen Hund aus der griechischen Mythologie benannt ist, der die Tore des Hades bewacht - Fusionspartner für beide. Darum führt Cerberus auch Gespräche mit General Motors (GM). Aber selbst wenn der Private Equity-Firma ein Deal gelingt, könnte der Ausflug nach Motor City für ihre Investoren immer noch in einem Höllentrip enden.

Auf dem Papier erscheint eine Fusion mit GM als überaus sinnvoll. Dafür dass sie Chrysler - mit ihrem Berg an liquiden Mitteln über elf Mrd. Dollar - in GM einfließen lässt, könnte Cerberus möglicherweise eine Minderheitsbeteiligung an der zusammengelegten Gruppe abgreifen und die 49 Prozent an GMAC, die noch nicht in ihrem Besitz sind.

GM und Chrysler wären damit in der Lage, ihre gemeinsame Kostenbasis um rund zehn Mrd. Dollar drastisch zu kürzen, meinen Analysten. Deren Nettobarwert würde für die Eigentümer von GM-Chrysler höher ausfallen als 50 Mrd. Dollar. Das wäre mehr als das Sechsfache der kombinierten Marktkapitalisierung der US-Autoindustrie.

Eine vereinigte GM-Chrysler würde über liquide Mittel von rund 30 Mrd. Dollar verfügen - und mehr, wenn es GM gelänge, die Investoren dazu zu überreden, als Teil der Transaktion noch etwas beizusteuern. Sie könnte sich auch für eine größere Portion an dem Notfallkredit über 25 Mrd. Dollar bewerben, den die US-Regierung der Branche für die Finanzierung der Entwicklung umweltgerechterer Autos herausgelegt hat. Und gleichzeitig könnte, wenn Chrysler Financial bei GMAC unter die Decke schlüpfte, der Großteil der Kosten der Tochter wirksam beseitigt werden.

Diese Schritte könnten die Investitionen von Cerberus für eine gewisse Zeit aus der Gefahrenzone bringen. Problematisch dabei ist, dass sich der gemeinsame Bargeldvorrat in Luft auflösen könnte, bevor eine Erholung des US-Autoabsatzes die Branche aus der Flaute holt: Denn bei diesem Deal würden hohe Abfindungskosten und andere außerordentliche Belastungen entstehen. Und die Rechnung für die Abschaffung von Marken wie Pontiac, Saturn und Buick würde sich leicht auf mehrere Milliarden Dollar summieren.

Auch wenn eine fusionierte GMAC-Chrysler Finance schlanker wäre, wäre sie immer noch an das Schicksal des Autogeschäfts gefesselt und hätte keine verbesserten Möglichkeiten zur Hand, sich selbst zu finanzieren. Ein Verkauf an eine Retail-Bank wäre vielleicht sinnvoll. Aber es war GM vor drei Jahren schon nicht gelungen, einen Käufer zu finden - und damals hatten die Banken noch Cash in Hülle und Fülle und tollkühn waren sie in jenen Tagen obendrein.

Ein Abschluss, der es Cerberus erlauben würde, zwei der größten Autohersteller und Autofinanzierer in Detroit zusammenzufügen, ist es wert, ausgelotet zu werden. Aber es ist schwer vorstellbar, dass der Deal jemals genug Werte schafft, um den teuren Vorstoß von Cerberus in das Autogeschäft zu rechtfertigen.

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