Cerberus
Nichts zu verlieren

Cerberus will vielleicht die 20 Prozent an Chrysler, die sich noch nicht in ihrem Besitz befinden, von Daimler kaufen. Angesichts des Zustands der Märkte und der Zahlen zum US-Autoabsatz erhält die Beteiligungsgesellschaft das Paket wahrscheinlich für einen Apfel und ein Ei. Da Cerberus sich in Detroit ohnehin schon auf eine Doppelwette eingelassen hat, kann sie den Laden auch gleich ganz übernehmen.

Cerberus hat sich durch ihre Investitionen in taumelnde US-Autobauer bereits verzettelt. Jetzt will die Beteiligungsfirma vielleicht die 20 Prozent an Chrysler, die sich noch nicht in ihrem Besitz befinden, von Daimler kaufen. Auch wenn sich der US-Automarkt in einer schlimmern Verfassung befindet, hat der Abschluss tatsächlich seine Vorzüge. Als alleiniger Eigentümer müsste sich die Private-Equity-Gesellschaft nicht mit den Reaktionen der früheren Muttergesellschaft des Bereichs befassen. Darüber hinaus lässt der Ausblick für alle drei Detroiter Automobilhersteller darauf schließen, dass Cerberus die Beteiligung vermutlich für einen Apfel und ein Ei erwerben kann. Und da die Finanzinvestoren bereits tief in einer Doppelwette auf die US-Autobranche stecken, haben sie nicht mehr viel zu verlieren.

Cerberus hatte im Mai 2007 für 7,4 Mrd. Dollar einen Anteil von 80 Prozent an Chrysler gekauft. Damit wurde der Restanteil von Daimler mit etwa 1,9 Mrd. Dollar bewertet. Innerhalb von 13 Monaten hat der Stuttgarter Autobauer diesen Betrag bereits auf rund 275 Mill. Dollar abgeschrieben. Angenommen Cerberus kauft das Daimler-Paket zum Buchwert, dann muss sie für das gesamte Unternehmen lediglich 7,7 Mrd. Dollar hinlegen anstatt 9,3 Mrd. Dollar, wie von ihrem ursprünglichen Deal impliziert.

Daimler wird vermutlich auch keine allzu harten Forderungen stellen. Die Firma hat den Großteil der Dekade, während derer sie im Besitz von Chrysler war, damit zugebracht, entweder Verluste zu absorbieren oder Bargeld in das Unternehmen zu pumpen, um es zu restrukturieren, bevor sie es für fast 30 Mrd. Dollar weniger verkauft hat, als sie dafür ausgegeben hatte. Da sich der Automarkt, seitdem der deutsche Autohersteller sein Chrysler-Paket an Cerberus abgegeben hat, in eine noch ernstere Notlage hineinmanövriert hat, wird Daimler möglicherweise die Gelegenheit begrüßen, sein amerikanisches Experiment nun komplett hinter sich lassen zu können.

Über den Preis hinaus, ist der Deal auch strategisch sinnvoll. Cerberus kann dann vielleicht leichter Partnerschaften mit anderen, kompatibleren Autoherstellern als Daimler eingehen - Nissan wurde zum Beispiel ins Gespräch gebracht. Wenn es der US-Autoindustrie zudem tatsächlich gelingen sollte, ihren direkten Kurs auf den Schrottplatz zu ändern, dann kann Cerberus für ein kleines bisschen mehr Cash sämtliche Gewinne von Chrysler horten. Und wenn die Wette in die Binsen geht, dann wäre die jüngste Investition von Cerberus in Detroit ohnehin zu geringfügig, um noch groß ins Gewicht zu fallen.

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