Champagnerbranche
Warum den Taittingers festlich zumute ist

Während der Rest der europäischen Weinindustrie in die Krise rutscht, sorgen sich die Champagnererzeuger, wie sie die steigende Nachfrage befriedigen sollen. Die Taittingers, die ihre Anteile am Familiengeschäft gegenwärtig zurückerwerben, wollen sich in Zukunft auf das Premiumsegment konzentrieren. Langfristig muss die Branche allerdings ihre Produktion ausdehnen.

So sieht ein perfektes Weihnachtsgeschenk aus: Berichten zufolge inszeniert die Taittinger-Familie einen Management-Buyout, der dem Unternehmen eine Finanzspritze über 145 Millionen Euro einbringt. Damit lassen sich gut weitere Spitzentrauben einkaufen und der Export erweitern.

Ihre Grundlage finden die Pläne im überraschenden Champagner-Boom. Die sprudelnden Umsätze zeigten im vergangenen Jahr ein Plus von insgesamt knapp 5 Prozent, die Preise legten um rund 6 Prozent zu. Die Giganten der Branche, wie LVMH, Pernod Ricard, Remy Cointreau und Laurent Perrier konnten alle Rekordgewinne einfahren oder erzielten zumindest Ergebnisse in der Nähe alter Rekorde. LVMHs Wachstum im Geschäftsfeld Weine und Spirituosen übertraf dank der Champagner-Umsätze sogar das Wachstum des Modesegments. Wie gemeldet erwartet Taittinger ein Umsatzplus von insgesamt 13 Prozent in diesem Jahr.

Die spudelnde Glückssträhne ist fast zu gut: Die Champagnererzeuger stoßen an die Grenzen ihrer Produktionskapazität. Wie andere Produzenten reagiert Taittinger, indem sich das Unternehmen auf das Premiumangebot – in diesem Fall die Marke Comtes de Champagne – und den Export konzentriert. Während die französischen Konsumenten es gewöhnt sind Champagner im Supermarkt zu kaufen und preisgünstige Marken bevorzugen, greifen Ausländer für das, was sie als Luxus empfinden, tiefer in die Taschen.

Langfristig muss die Branche ihr Angebot aber ausdehnen. Rund 330 Millionen Flaschen wurden im vergangenen Jahr produziert und in den Emerging Markets, wie zum Beispiel Russland und China, wächst der Konsum rasant. Nach den aktuellen Vorschriften sind die Produktionserträge begrenzt und Champagner-Trauben dürfen nur in einem eng begrenzten Gebiet im Nordosten Frankreichs angebaut werden. Beide Einschränkungen werden nun gelockert. Nach einem im vergangenen Monat eingebrachten Regierungsvorschlag zur Exportsteigerung dürfen im kommenden Jahrzehnt bis zu 5.000 Hektar – oder plus 15 Prozent – neue Weinberge angelegt werden. In der Zwischenzeit dürfen die Erträge um 10 Prozent gesteigert werden. Durch diese Maßnahmen sollte es gelingen, ein komfortables Umsatzwachstum von 5 Prozent jährlich aufrecht zu erhalten.

Sollten die globalen Märkte allerdings ins Stolpern geraten, könnten die Konsumenten dem Luxus den Rücken kehren und lieber wieder preisgünstigeren Sekt entkorken. Taittinger und andere französische Champagnerhäuser haben vorgesorgt und ihre eigenen sprudelnden Alternativen für die Neue Welt entwickelt, Taittinger zum Beispiel hat einen viel beachteten kalifornischen Sekt namens Domaine Cameros auf den Markt gebracht. Wenn es dem Unternehmen gelingt, die Produktion auszudehnen und gleichzeitig die Champagner-Aura von Luxus und Exklusivität aufrecht zu erhalten, sollten noch viele frohe Festtage zu feiern sein.

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