Chance für Knox
China und der Goldrausch

US-Staatsanleihen in Gold zu tauschen könnte Peking helfen, die Dominanz des Dollar zu untergraben. Aber die Jahre des Merkantilismus lassen sich nicht so ohne Weiteres rückgängig machen. Umfangreiche Goldkäufe der Chinesen würden den Preis des gelben Metalls in den Himmel schießen lassen. Und wer wäre der größte Gewinner? Tritt vor, Uncle Sam.
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China erwärmt sich für Gold. In den vergangenen sechs Jahren hat die Währungsbehörde ihre Reserven des gelben Metalls um 75 Prozent aufgestockt. „Aha“, sagen die Goldexperten, „die Leute in Peking rechnen mit Inflation und einem Wertverlust beim Dollar und wollen jetzt mit einer soliden Anlage auf Nummer sicher gehen.“ Aber wetten Sie lieber nicht auf einen chinesischen Goldrausch.

Natürlich sind die chinesischen Behörden nicht gerade froh darüber, rund 1,4 Billionen Dollar ihrer Reserven in Greenbacks angelegt zu haben. Das gigantische US-Haushaltsdefizit, das zum Teil durch die Notenpresse finanziert wird, steigert das Unbehagen zusätzlich. Der Präsident der chinesischen Zentralbank hat auch schon öffentlich kund getan, dass er es lieber sähe, wenn die weltweiten Reserven in einem Reservemedium gehalten würden, das nicht allein auf der Währung eines Landes basiert. Noch könnte Gold diese Funktion am ehesten erfüllen. Aber Chinas Währungsreserven bestehen selbst nach dem jüngsten Anstieg lediglich zu 1,6 Prozent aus Gold. Sie liegen damit deutlich unterhalb der 10 Prozent, die der World Gold Council als Durchschnitt nennt.

Wollte China gemessen an seinen Goldreserven im internationalen Vergleich einen mittleren Platz einnehmen, müsste es sie um 5.575 Tonnen aufstocken. Das entspricht der weltweiten Goldproduktion von 19 Monaten. Zieht man davon noch die konstante Nachfrage nach Gold für Schmuck und industriellen Bedarf ab, dann entspricht diese Menge eher dem frei verfügbaren Angebot eines ganzen Jahrzehnts. Selbst mit den 400 Tonnen, die der IWF abgeben will, käme China nicht einmal in die Nähe dieser Größenordnung.

Die Goldmenge, die China braucht, um den Goldanteil an seinen Währungsreserven aufzustocken, hängt natürlich auch vom Preis des Metalls ab. Selbst eine nur mittelgroße Einkaufstour würde den Preis an die Decke treiben – und den Wert der Diversifikation mindern.

Aber es gibt noch einen eher machiavellistischen Grund, sich zurückzuhalten. Die USA halten die höchsten Goldreserven der Welt. Sie machen strahlende 80 Prozent ihrer Währungsreserven aus. Ein höherer Goldpreis würde Amerika reicher machen, zumindest auf dem Papier. Ein Goldpreisanstieg um das Zehnfache würde reichen, um die gesamte Nettoverschuldung der USA von 2,5 Billionen Dollar auszuradieren.

Die chinesischen Behörden werden ihre Gewinne aus jahrelangen Exportüberschüssen gern behalten wollen. Aber die jahrelange merkantilistische Politik wird sich ohne Anpassungsopfer nicht revidieren lassen. Aber dabei so nebenbei auch noch Uncle Sam aus der Bredouille zu retten, ist wahrscheinlich ein zu hoher Preis.

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