Chaos am Terminal 5
Härtetest in Heathrow

Es ist schon knifflig, ein wirklich großes Projekt für die Öffentlichkeit frei zu geben, ohne dass es zu Problemen kommt. Selbst wenn man Monate lang dafür geübt hat. Aber der chaotische erste Tag am neuen Terminal 5 von British Airways am Londoner Flughafen Heathrow war äußerst peinlich für die britische Fluglinie. Und für BAA, den Betreiber von Heathrow, kam das Fiasko zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt.

British Airways (BA) hätte aus der großen Eröffnung ihres Terminal 5 am Londoner Flughafen Heathrow kaum ein noch schlimmeres Durcheinander machen können, selbst wenn sie dies versucht hätte. Willie Walsh, der Chef der britischen Fluglinie, hatte versprochen, mit der Freigabe des dem neuesten Stand der Technik entsprechenden Terminals eröffne sich ein “Flughafen-Erlebnis wie nirgendwo sonst auf der Welt“. Stattdessen gab die Veranstaltung wieder einmal nur Anlass für verheerende Schlagzeilen, wie sie Heathrow schon gewohnt ist. BA musste am Donnerstag Flüge streichen und sämtliche Passagiere mit Gepäck abweisen. Am Freitag fielen erneut Flüge aus.

BA kann sich ein wenig mit vergleichbaren Vorfällen andernorts trösten. Die Eröffnung eines neuen Terminals am Madrider Flughafen Barajas vor zwei Jahren war ebenfalls durch verspätete Flüge eingetrübt worden. Das fehlerhafte Gepäckbeförderungssystem soll hier gar nicht erwähnt werden, aufgrund dessen 1993 der Flughafen in Denver erst nach einer 18monatigen Verspätung eröffnet werden konnte.

Die Fluggesellschaft kann auch dem Flughafenbetreiber BAA einige der Kinderkrankheiten anlasten. Zu nennen wären defekte Rolltreppen und nicht einwandfrei funktionierende Schranken auf den Parkplätzen. Aber das Hauptproblem war anscheinend die Unfähigkeit von BA, die Koffer vom Gepäcksystem aus in die Flugzeuge zu hieven. Warum? Es waren einfach nicht genug Leute da, um die Arbeit zu machen. Das ist lächerlich. BA hatte Monate lang Zeit, um die Eröffnung vorzubereiten. Und Walsh hatte sein Wort – und das von BA – dafür verpfändet, dass es gut gehen würde.

Der Ruf von Walsh und seiner Fluglinie ist zu Recht schwer angekratzt. Ob er noch weiter in Mitleidenschaft gezogen wird, hängt davon ab, wie lange das Chaos anhält. In Madrid hatte es nur zwei Wochen gedauert, bis sich der Betrieb im neuen Terminal normalisiert hatte. Wenn sich BA so schnell zusammenreißen kann, dann verblasst die Erinnerung an die unhaltbaren Zustände der ersten Tage vielleicht.

Was auch immer geschieht, für den Flughafenbetreiber BAA kam diese chaotische Eröffnung zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. BAA, der der spanischen Ferrovial gehört, sieht sich bereits schweren Turbulenzen bei der Refinanzierung seines Schuldenbergs über zehn Mrd. Pfund Sterling ausgesetzt. Zudem wird eine mögliche Aufspaltung erwogen. Die BAA-Manager können nur hoffen, dass sich weder Vertreter der Branchenaufsicht noch mögliche Kapitalgeber unter den aufgebrachten Reisenden im Terminal 5 befunden haben.

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