Chaos auf den Märkten
Das Fegefeuer der Spekulanten

Spekulanten, Hedgefonds und Oligarchen haben mit geliehenem Geld hantiert – und sich damit in der Finanzkrise die Finger verbrannt. Mit ihnen geraten die Banken unter Druck, die ihnen Kredite gewährt haben. Die schmerzliche Lektion: Zu viel Fremdkapital vernichtet Vermögen.

Das Chaos auf den Märkten heizt den Spekulanten großflächig ein. Während Aktien, Rohstoffe und Anleihen an Wert verlieren, verbrennen sich diejenigen, die mit geliehenem Geld auf steigende Preise setzen - von Oligarchen über Hedgefonds bis hin zu Händlern, gefährlich die Finger. Und mit ihnen die Banken, die ihnen dafür Kredite gewährt haben.

Einige der Brandopfer werden schon sichtbar. Die 25 obersten Oligarchen Russlands haben zum Ende der vergangenen Woche gegenüber ihren Spitzenwerten im Mai Verluste über 240 Mrd. Dollar verbucht, ergab eine Bloomberg-Recherche. Durchschnittlich belaufen sich die Einbußen pro Kopf also auf erstaunliche zehn Mrd. Dollar. Das kommt vor allem daher, dass sich die Männer enorme Geldsummen geliehen hatten, um ihr ohnehin schon immenses Vermögen zu ergänzen und um damit gewaltige Wetten am Aktienmarkt zu platzieren.

Hedgefonds verzeichneten im September einen Rekordabfluss an Mitteln: In den USA wurden 43 Mrd. Dollar abgezogen, wie vorläufige Zahlen von TrimTabs ergaben. Einige Beobachter gehen davon aus, dass sich die Hälfte der Vermögenswerte der Branche aufgrund von Verlusten und Rückkäufen - die sich gegenseitig verstärken - in Luft auflösen könnte.

Spekulatives Investieren ist durch ein gemeinsames Merkmal gekennzeichnet: Es hängt vom Einsatz von Fremdkapital ab. Wenn es aufwärts geht, entfaltet diese "Leverage" ihre Hebelkraft auf wunderbare Weise und vervielfacht die Renditen. Aber in der Abwärtsbewegung werden auch die Verluste vervielfacht. Da es schnell und hart Einschussforderungen hagelt, müssen umgehend Vermögenswerte abgestoßen werden. Die momentane Verkaufskaskade drückt die Preise noch weiter, was schließlich in einen Teufelskreis mündet.

Es ist unwahrscheinlich, dass wir uns dem Ende dieses Prozesses auch nur angenähert haben. Gleich drei gigantische Märkte für Vermögenswerte sind in jüngster Zeit ins Wanken geraten. Die Aktien wurden durch die Bankenkrise und jetzt durch die Rezessionsängste schwer beschädigt; die Rohstoffe sind über die Klippe gegangen, nachdem China angefangen hat, sich wieder mit den schwachen westlichen Volkswirtschaften rückzukoppeln. Und auch die Märkte für Staatsanleihen haben nachgegeben, nachdem die Investoren erst einmal die riesigen Kosten für die Bankenrettungen überschlagen hatten.

Natürlich wird es auch Gewinner geben. Zum Beispiel diejenigen, die bei Aktien, Anleihen und Rohstoffen auf eine Abwärtsbewegung spekuliert haben. Aber selbst die, die bei Banken schwarz gesehen haben, könnten sich versengt haben - wenn sie ihre Wetten mit Hilfe von Credit Default Swaps (CDS) , also mit Kreditderivaten zum Handeln von Ausfallrisiken von Krediten und Anleihen, platziert haben. Die CDS-Spannen sind nämlich gewaltig geschrumpft.

In den kommenden Wochen werden noch viele weitere Opfer des Flächenbrands geborgen werden. Es wäre überhaupt keine große Überraschung, wenn einige Banken erneut Prügel beziehen würden. Sie sind auf zwei Wegen angreifbar. Zum einen könnten ihre eigenen Händler (ihre hauseigenen Spekulanten) aufs falsche Pferd gesetzt haben. Zum anderen haben die Kreditinstitute vielleicht nicht auf angemessenen Sicherheiten bestanden, als sie externe Spekulanten mit Fremdkapital versorgt haben. Daher werden sie möglicherweise Verluste erleiden, wenn Positionen aufgelöst werden müssen.

Die Investoren, die Vermögenswerte ohne den Einsatz von Fremdmitteln gekauft haben, werden nicht so schwer verwundet werden. Aber für die Spekulanten wird das Fegefeuer eine äußerst schmerzhafte Lektion bereithalten, dass nämlich zu viel Leverage und unangemessene Sicherheitsabschläge ein Vermögen vernichten können.

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