Chefetage
Muslime, unsere Leitkultur und die ökonomische Realität

Die Islam-Debatte, die sich an der Rede des Bundespräsidenten entzündet hat und die CSU-Chef Seehofer munter anfacht, klammert eine Schlüsselfrage aus: unseren künftigen Wohlstand.
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Nun streiten wir also wieder. Bundespräsident Christian Wulff hat mit seiner Bemerkung, auch der Islam gehöre "inzwischen zu Deutschland", eine heftige Debatte ausgelöst. Als Liberaler fühlt man sich dabei allerdings weder im Wulff-Lager noch bei seinen konservativen Kritikern so ganz wohl. Es fehlen einige ganz wichtige Argumente in der Diskussion - vor allem die wirtschaftliche Realität unseres Landes.

In unserem Land leben inzwischen Hunderttausende von Muslimen, die deutsche Staatsbürger sind. Sie verfügen über die gleichen Rechte und Pflichte wie jeder andere auch. Niemand sollte von ihnen verlangen, sich einer "christlich-jüdischen Leitkultur" anzupassen. Sehr wohl aber können und müssen wir von ihnen verlangen, sich voll in unsere Gesellschaft und vor allem in unsere Rechtskultur zu integrieren - die auf den Grundsätzen der Toleranz, der Freiheit, der Demokratie und der Trennung von Staat und Kirche beruht.

Mögen die Historiker über die europäische Leitkultur der Vergangenheit debattieren (was war mit den Mauren in Spanien bis 1492?) - interessanter ist die Frage nach der Leitkultur unserer Zukunft. Womit wir mitten bei den ökonomischen Fakten sind: Unsere Einwanderungsrate ist mittlerweile negativ - es verlassen unter dem Strich mehr Menschen Deutschland, als sich neu bei uns niederlassen. Spätestens in zwanzig Jahren fehlen uns 4,5 Millionen gut ausgebildete Beschäftigte, wenn man dem jüngsten Deutschland-Report von Prognos glauben darf. Wir brauchen also mehr und nicht weniger Immigranten, wenn wir unseren wirtschaftlichen Wohlstand erhalten wollen.

Aber aus welchen Regionen der Welt sollen sie kommen? Aus dem christlich-jüdischen Kulturkreis wohl kaum: Überall in Europa sinken die Geburtsraten. Die Osteuropäer, auf die viele in den letzten Jahren gehofft hatten, werden unser langfristiges demografisches Problem nicht lösen. Auch China nicht, das sich aufgrund seiner Ein-Kind-Politik schon in wenigen Jahren selbst in eine schnell alternde Gesellschaft verwandeln wird. Und die berühmten Computer-Inder? Von dem indischen Industrieminister Anand Sharma war gerade im Handelsblatt der schöne Satz zu lesen, sein Land brauche "seine Fachkräfte selbst".

Bleiben nur Länder wie der Iran oder der Irak. Sie verfügen nicht nur über eine sehr junge Bevölkerung - sondern auch über relativ viele Akademiker. Und viele iranische Ingenieure würden gern bei uns leben. Wenn wir also künftig mehr Einwanderung wollen, müssen wir uns im islamischen Kulturkreis umschauen - ob es uns passt oder nicht. Natürlich haben wir dabei das Recht, uns sehr genau anzuschauen, wen wir hereinlassen und wen nicht. Nicht die Religionsangehörigkeit sollte dabei zählen, sondern allein die Fähigkeit und Bereitschaft zur gesellschaftlichen Integration.

Kommentare zu " Chefetage: Muslime, unsere Leitkultur und die ökonomische Realität"

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  • Seltsamerweise denkt man nicht an die deutschstämmigen brasilianer. Auch andere Migrantenländer der Deutschen, werden nie berücksichtigt. Die integration wäre problemloser.

  • "Es fehlen dann im Jahre XXXX gut ausgebildete Fachkräfte", heißt es. Aber eine gute Ausbildung für Jugendliche mit Migrationshintergrund bedingt einen uneingeschränkten integrationswillen und den Respekt vor unseren christlichen Werten. Und das ist doch noch nicht der Fall, in Deutschland. Fangen wir aber an. Peter von Zech in seinem buch Sonne und Schatten zeigt uns anschaulich und überzeugend, wie wir zunächst vorgehen sollten.

  • Liebe abgewirtschaftete "Eliten" in den Medien, der Politik und der Wirtschaft

    wir glauben eure Lügen nicht mehr, auch wenn ihr sie tausend Mal wiederholt! Wir glauben eure Lügen genauso wenig, wie einst die DDR-bürger nicht mehr an die Schönrednerei und die Lügen des SED-Regimes glaubten. ihr heutigen "Eliten" wollt nur euer System retten.

    ihr "Eliten" bejubelt immer noch den Kaiser, aber der steht längst nur noch nackt im politischen Abseits. Alle sehen es, nur ihr wollt es nicht sehen, weil ihr an euren Pöstchen klebt und euch daran klammert!

    Remember 1989

    den politischen "Eliten" sei gesagt:

    "Noch sitzt ihr da oben, ihr feigen Gestalten,
    vom Feinde bezahlt und dem Volke zum Spott.
    Doch einst wird wieder Gerechtigkeit walten,
    dann richtet das Volk und es gnade euch Gott."

    Carl Theodor Körner. Deutscher Dichter. Gefallen 1813 im Freiheitskrieg gegen Napoleon.

    Das deutsche Volk

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