Chefetage: Über Karl-Theodor zu Guttenberg, Neid und den Tod in der Politik

Chefetage
Über Karl-Theodor zu Guttenberg, Neid und den Tod in der Politik

Der Bundesverteidigungsminister kann, was die meisten anderen Politiker nicht können: gute Reden halten. Womöglich wird ihm das noch zum Verhängnis.
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Es gibt gegenwärtig nur wenige Politiker in Berlin, die Menschen noch durch die Kunst der Rede begeistern können. In der vergangenen Woche hatte ich das Vergnügen, einen solchen Vortrag bei der Verleihung des Deutschen Kulturförderpreises in Berlin zu hören. Es sprach Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Und zwar nicht über die Wehrpflicht oder Afghanistan, sondern über Kultur.

Etwas ganz Ungewöhnliches in der Bundeshauptstadt: ein Minister, der sich auf fremdes Terrain begibt! Ein Politiker, der sich nicht in den Verästelungen seines Fachgebiets verliert. Ein CSU-Mann mit der Gabe zum großen Wurf. Beim anschließenden Glas Wein im Haus der deutschen Wirtschaft waren alle voller Lob: was für eine Rede, welch bella figura!

Aber wie wurde der Minister von der Moderatorin des Abends angekündigt? Als ein Politiker, der sowohl im afghanischen Kampfgebiet als auch auf der Couch von Thomas Gottschalk im Fernsehen eine gute Figur mache. Autsch!

Da schwang einiges Unbeabsichtigte mit. Möchte ein Verteidigungsminister einen solchen Spruch wirklich über sich hören? In diesen Zeiten? In dieser Kombination? Offenbar setzt sich etwas über die politische Person zu Guttenberg fest, was sehr gefährlich für ihn werden könnte: die Vorstellung des allzu Leichtgängigen, des allzu Talentierten, des allzu Gewandten.

Es gibt gegenwärtig keinen beliebteren Politiker bei uns als zu Guttenberg, wie die Umfragen zeigen. Aber solcher Glamour währt nicht ewig. Denn eigentlich lieben die Deutschen den Typus des Grenzgängers nicht. Wo sonst in Europa gäbe es den verräterischen Ausdruck „Fachpolitiker“ als in Deutschland?

Generalisten können bei uns schnell als Leichtfüße gelten, Rhetoren als substanzlose Wortdrechsler. Und auch Neid spielt im Fall zu Guttenberg überall mit, erst recht in der eigenen Partei und im eigenen Lager.

Nirgends in der Bundespolitik ist gegenwärtig ein zweiter Mann vom Schlage des Verteidigungsministers erkennbar. Mit seinen Talenten könnte er es in der Nach-Merkel-Ära zu allem bringen. Aber er könnte im Hier und Jetzt auch schneller stolpern als die meisten seiner Kabinettskollegen, die besser als er gelernt haben, wie man im Zweifel auch einmal zu Kreuze kriecht vor der Chefin oder den Zeitläuften.

Entscheidend für den jungen Minister wird sein, dass er jetzt nicht nur gut redet, sondern auch ein dickes Brett bohrt: Die Bundeswehrreform wird zu seinem ersten wirklichen Gesellenstück. Und es geht, wie ich an dieser Stelle bereits geschrieben habe, um sehr viel mehr als die Wehrpflicht: eine neue Arbeitsteilung in der Nato, eine flexiblere Neuaufstellung der Bundeswehr, einen völlig veränderten Beschaffungskreislauf.

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