Chefetage: Zehn Gründe, die Sarrazin-Debatte nun endlich zu beenden

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Zehn Gründe, die Sarrazin-Debatte nun endlich zu beenden

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Seit Platon das Prinzip des Dialogs in die griechische Philosophie einführte, erhoffen wir uns von einem öffentlichen Gespräch einen Erkenntnisgewinn. Der Athener konnte ja nicht ahnen, dass man in deutschen Talkshows stundenlang quasseln kann, ohne am Ende auch nur ein Jota mehr Wissen anzuhäufen. Nach dem Rücktritt Thilo Sarrazins bei der Bundesbank besteht nun endlich die Chance, die ganze Debatte zu beerdigen. Denn in gefühlten Tausend Stunden einschlägigen Infotainments war nicht eine einzige neue Idee zu entdecken.

Hier sind die zehn wichtigsten Argumente für ein schnelles Ende des Sarrazins-Streit. Erstens: Sarrazins Buch ist intellektuell viel zu dürftig, um darüber eine ernsthaftes Gespräch zu führen. Zweitens: Die meisten seiner Gegner haben es nicht gelesen, auch wenn sie das Gegenteil behaupten. Drittens: Die ganze Diskussion reproduziert lediglich die erste Sarrazin-Debatte, ohne etwas Neues hinzuzufügen. Viertens: Man müsste wenigstens das Thema festlegen, wenn etwas bei der ganzen Chose herauskommen sollte. Reden wir eigentlich über den Islam? Über Integration? Vererbungslehre? Intelligenz? Die Verhältnisse im Berliner Wedding? Oder Sarrazins herabhängenden Schnauzbart? Fünftens: Wer gern etwas über die neuesten Erkenntnisse der Genforschung erfahren möchte, sollte nicht unbedingt Cem Özdemir oder Arnulf Baring in eine Talkshow einladen - und Sarrazin selbst auch nicht. Sechstens: Statistische Proseminare eignen sich einfach nicht für das Medium TV. Siebtens: Es besteht kein Anlass für eine Folgedebatte über Meinungsfreiheit. Alle haben alles gesagt - und zwar das, was sie sonst auch immer sagen. Achtens: Praktische Konsequenzen irgendwelcher Art sind nicht zu erwarten, so sehr sich die beteiligten Politiker in den Fernsehrunden auch als Integrationsfanatiker outen. Neuntens: Seit die Bild-Zeitung auf die Man-wird-ja-wohl-noch-fragen-dürfen-Linie eingeschwenkt ist, sinkt die Bereitschaft gewählter Funktionsträger zur flotten Attacke auf Sarrazin gewaltig. Ab jetzt wird es richtig langweilig! Zehntens: Nachdem der Mann nicht mehr Bundesbanker ist, fehlt das notwendige Potenzial zur Skandalisierung seiner Thesen. Höchste Zeit aufzuhören.

Wenn wir die Debatte jedoch, obstinat wie wir sind, einfach nicht beenden wollen, dann empfehle ich für die nächste Runde einen radikalen Personalwechsel für die Talkshows: Lassen wir endlich die Literaten ran! Der einzige wichtige Beitrag zu dieser Diskussion stammt schließlich aus der Feder eines Schriftstellers: Leon de Winter enthüllte letzten Donnerstag in der "Süddeutschen Zeitung", dass die Intelligenz der Juden noch nicht an ihren Genen liegt, sondern am häufigen Verzehr von Fisch. Und natürlich an der Heringsgräte, die jeder Jude in der Innentasche seiner Jacke stets bei sich führt. Mehr solcher Enthüllungen bitte, mehr!

Kommentare zu " Chefetage: Zehn Gründe, die Sarrazin-Debatte nun endlich zu beenden"

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  • „Das Ganze wird ebenso als sturm im Wasserglas enden wie die ganzen Versuche vorher, Schill etc.“
    Weil, genetisch bedingt, der Großteil der Welt wie no.7 ist.

  • volksverdummung
    fakt ist, dass:
    1.)
    wir in der deutschen bevölkerung einen anteil von bürgern mit migrationshintergrund von 17% haben.
    2.)
    in deutschen haftanstalten der anteil von bürgern mit migrationshintergrund bei 52% liegt.
    3.)
    von diesen 52% wiederum 90% aus ost-und südosteuropa und aus dem nahen osten stammen.
    4.)
    z. b. seit dem wegfall der grenzkontrollen nach polen im dez 2007 sich die zahl der straftaten im grossraum frankfurt/oder innerhalb eines jahres um 38% erhöht hat.

    1. frage:
    war das schengen-abkommen vielleicht keine so gute idee?
    2. frage:
    war die eu-osterweiterung vielleicht keine so gute idee?
    3. frage:
    wer hat diese zustände zu verantworten?
    4. frage:
    wer war zu dieser zeit innenminister?
    5. frage:
    wer war 1999 in einen parteispendenskandal verwickelt?
    6. frage:
    wen müssen wir momentan als finanzmimister ertragen?

  • Sarrazin=Geldgeilheit. Es geht diesem großen helden nur ums geld, siehe seinen goldenen Handschlag bei der bundesbank. Deswegen führt er seine Show hier auf. als sie ihm mehr Pension andienten, ging er freiwillig. Natürlich stammt diese Pension zu 100% aus der staatskasse und die anderen müssen dafür arbeiten. ich bin ebenfalls dafür, dieses thema umgehend zu beenden, denn ich kann nicht erkennen, was uns die beschäftiugng mit sarrazin einbringen soll. Das bringt allenfalls dem etwas ein. Das Ganze wird ebenso als sturm im Wasserglas enden wie die ganzen Versuche vorher, Schill etc.

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