China
Unlösbares chinesisches Rätsel

China hat die Mindestreserveanforderungen der Banken in diesem Jahr bereits fünf Mal angehoben. Beim letzten Mal ist der Aktienmarkt in die Knie gegangen. Die Zinsen wurden jedoch nicht angerührt. Die Regierung befürchtet, dass durch höhere reale Zinsen Spekulanten angelockt werden. Eine globale Liquiditätsverknappung ist die einzige Lösung für die Inflationsprobleme des Landes.

Die Inflation in China wirft einen Schatten auf die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Die Regierung hat in diesem Jahr die Mindestreserveanforderungen für die Banken bereits fünf Mal angehoben. Nach der jüngsten Erhöhung auf 17,5 Prozent am 8. Juni ist der Aktienmarkt in die Knie gegangen. Die inländischen Zinsen, die real seit Dezember in negativem Territorium verharren, haben die zuständigen Behörden jedoch nicht angetastet. Sie fürchten nämlich, dass durch positive reale Zinsen Spekulanten angelockt werden. Gleichzeitig führen die Preiskontrollen der Regierung einerseits zu Mangel und andererseits zur Ankurbelung des Verbrauchs. Nur eine globale Liquiditätsverknappung wird das Inflationsproblem Chinas lösen.

Die offiziellen chinesischen Inflationszahlen liegen beharrlich bei über acht Prozent - und zwar nach einem beträchtlichen Anstieg des Renminbi/Dollar-Wechselkurses und ohne Berücksichtigung der inländischen Preiskontrollen bei Ölprodukten, Kohle und Energie, die alle jüngst stark gestiegen sind. Diese Preiskontrollen verzerren die Wirtschaft und erhöhen den Verbrauch von knapp gewordenen Energieprodukten. Sie allerdings abzuschaffen, würde das Teuerungsproblem des Landes nur noch weiter verschärfen.

Die inländischen chinesischen Zinsen liegen weit unter der Inflationsrate. Würde man sie jedoch auf ein die Inflation zügelndes Niveau von elf bis zwölf Prozent anheben, würde sich der Zufluss an spekulativem Geld vergrößern, der dafür gesorgt hat, dass die Devisenreserven Chinas in den ersten vier Monaten 2008 um 250 Mrd. Dollar aufgebläht wurden. Die Mindestreserveanforderungen für die Banken zu erhöhen, ist hilfreich - mit dem jüngsten Schritt wird Liquidität über rund 60 Mrd. Dollar abgezogen. Doch sie zu hoch zu schrauben, könnte das ohnehin nicht sehr stabile chinesische Bankensystem ins Wanken bringen.

Der Chef der US-Notenbank, Ben Bernanke, macht die übertriebenen Sparbemühungen der Chinesen und anderer asiatischer Länder für die weltweite Teuerung verantwortlich. Doch für die "Schwemme an Ersparnissen" in China ist vor allem die Zentralbank des Landes verantwortlich, die Renminbi druckt, um die Landeswährung in Dollar zu tauschen, um den Wechselkurs niedrig zu halten. Den Renminbi gegenüber dem Dollar stark steigen zu lassen, würde den globalen Spekulanten entgegenkommen, aber die chinesischen Exporteure stark in Mitleidenschaft ziehen, die, in der Abrechnung in Dollar, bereits mit jährlichen Kostenerhöhungen um 20 bis 25 Prozent zu kämpfen haben.

Es gibt anscheinend kein innerchinesisches Rezept für das Inflationsproblem des Landes. Um es zu lösen, muss erst das gigantische Sammelbecken internationaler Liquidität trocken gelegt werden, so dass sich der Aufwärtsdruck auf den chinesischen Wechselkurs verringert und es dem Land erlaubt, die notwendigen Erhöhungen der Binnenzinsen vorzunehmen. Die Zinssenkungen durch Bernankes Notenbank seit September haben dem amerikanischen Bankensystem Liquidität zugeführt, um dazu beizutragen, die Verluste aus zweifelhaften Immobilienkrediten zu absorbieren. Sie haben aber auch die ohnehin übertrieben hohe internationale Liquidität noch weiter ausgeweitet, die natürlich China, der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaft, zugeflossen ist und damit das Inflationsproblem des Landes verschärft hat.

Bernanke sollte also nicht China die Schuld geben. China sollte vielmehr Bernanke Vorwürfe machen.

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