China/US-Fertigung
Besorgnis, aber keine Panik

China wird im verarbeitenden Gewerbe bald die weltweite Nummer eins sein. Das ist eine ganz natürliche Entwicklung. Für die USA entstehen damit allerdings zwei Problemfelder: Sie werden im Bereich der hochqualitativen Forschung einige Kompetenzen , die die Massenfertigung begleiten, einbüßen. Und sie könnten, was einige Schlüsselprodukte angeht, die gesamte Inlandsproduktion verlieren.

China dürfte die USA 2009 im verarbeitenden Gewerbe vom Rang der weltweiten Nummer eins vertreiben, sagt die US-Wirtschaftsberatungsgesellschaft Global Insights voraus. Das ist eine natürliche Entwicklung. Für die USA entstehen dadurch aber zwei Probleme: Sie könnten im Bereich der hochqualitativen Forschung einige Kompetenzen einbüßen, die die Massenfertigung begleiten. Und sie könnten der geostrategischen Bedrohung ausgesetzt sein, für einige Schlüsselprodukte keine inländischen Quellen mehr zu besitzen.

Volkswirtschaftlich gesehen sollte es im Prinzip niemanden beunruhigen, dass sich die USA zu einer Dienstleistungsgesellschaft entwickeln und von China als weltgrößter Hersteller im verarbeitenden Gewerbe abgelöst werden. Die internationalen Telekommunikationsmöglichkeiten haben dazu geführt, dass weltumspannende Lieferketten viel einfacher zu steuern sind, so dass Zulieferer in entfernten Niedriglohnländern viel leichter zu kontrollieren sind als noch vor einer Generation. Umgekehrt verlangen viele Dienstleistungsangebote eine Präsenz vor Ort, so dass sie für eine Auslagerung weniger geeignet sind. Wenn sich ein Hochlohnland also der Dienstleistung verschreibt, so ist dies nur natürlich.

Allerdings kann eine Auslagerung der Fertigung in Niedriglohnländer dazu führen, dass dem Auslagernden keine wirtschaftliche Funktion über den lokalen Verkauf und Service hinaus mehr bleibt. Forschung und Entwicklung bedürfen oft einer detailgenauen Kenntnis des Produktionsprozesses und seiner Einschränkungen, die von der anderen Seite des Globus her nicht zu erlangen ist. Darüber hinaus könnte der Ausgelagerte durch seine Tätigkeiten in der Fertigung Fähigkeiten erwerben, die ihn für den globalen Wettbewerb besser rüsten als den Auslagernden.

In einer wirklich "flachen" Welt der rein ökonomischen Entscheidungsfindung gäbe es keinen geostrategischen Anlass zur Besorgnis, wenn ein Land Fertigungskompetenzen verliert. In der realen Welt kann die Fähigkeit zur Fertigung bestimmter Produkte auf dem Binnenmarkt allerdings wichtig sein. Wenn die USA zum Beispiel tatsächlich nicht mehr in der Lage wären, wie eine Kommission behauptet, große Netztransformatoren herzustellen, hätte ihre strategische Anfälligkeit zugenommen.

Das Outsourcing wurde erstens dadurch begünstigt, dass US-Manager oft den kurzfristigen Gewinn über langfristige Ziele stellen. Und zweitens könnte die lockere Geldpolitk der Fed seit 1995 zur Beschleunigung dieses Prozesses beigetragen haben. Wenn das Geld knapp ist, wirkt der Vorteil, den die USA bei den Kapitalkosten haben, den Lohnkostenvorteilen der an Kapital armen aufstrebenden Märkte entgegen; eine hohe globale Liquidität hat diesen Vorteil zunichte gemacht.

Der Erfolg Chinas im verarbeitenden Gewerbe ist natürlich und kein Anlass zu Protektionismus. Allerdings würden höhere Zinsen und ein weniger auf kurzfristige Erfolge ausgerichtetes Denken der Manager den Niedergang der Fertigung in den USA verlangsamen, der wirtschaftlich oder geostrategisch abträglich wirken könnte.

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