China/USA
Chinesischer Drache zeigt Zähne

Bei den Wirtschaftgesprächen mit den USA gab es von chinesischer Seite ungewöhnlich harsche Kommentare über die US-Finanzpolitik. Darunter die Vermutung, die Finanzkrise sei dem "übermäßigen Konsum" geschuldet. Zudem riet man den USA zu Sparzinserhöhungen und forderte die US-Politik auf, chinesische Investitionen zu schützen. Schön wär?s, wenn Taten folgten.

Die amerikanische Kreditklemme verursacht in der Tat unangenehme Nebenwirkungen. Chinesische Exporteure leiden unter der geringen Nachfrage. Chinesische Investitionen in Firmen wie Blackstone und Morgan Stanley sind tief in die die roten Zahlen gerutscht. Der Chef des chinesischen Sovereign Wealth Funds bemerkt, er sei zurzeit nicht mutig genug für Investitionen in den US-Finanzsektor.

Doch für ein Handelsdefizit braucht es immer zwei Seiten. So besteht China noch immer auf einem niedrigen Wechselkurs. Mit Staatsanleihen im Wert von 585 Milliarden Dollar sowie einigen weiteren Hundert Milliarden staatlich garantierter Verbindlichkeiten hat sich das Reich zudem zum größten US-Gläubiger aufgeschwungen.

Falls China wirklich vom US-Finanzgebaren die Nase voll hat, sollte es aufhören, amerikanische Verbraucher indirekt zu unterstützen. Dafür bräuchte es allerdings schmerzhafte Veränderungen im eigenen Lande. Die Regierung müsste den Wert ihrer Währung steigern und somit das künstlich billig gehaltene Exportsystem torpedieren.

Nichts davon ist wahrscheinlich, schließlich fiel der Renminbi letzte Woche steil und stoppte den drei Jahren währenden langsamen Wertanstieg. Vielleicht trat China auf die Währungsbremse, um sich häufende Export-Konkurse in den Griff zu bekommen. Die Regierung fürchtet sich vor Unruhen, falls die Arbeitslosenzahlen steigen. Nicht zu unrecht, wie Proteste in Guandong und Shanghai zeigen. Schließlich ersetzen Beschwichtigungs-Aktionen - wie subventionierte Handys für Bauern - nicht den Arbeitsvertrag.

Solche Aktivitäten kann man verstehen; zu bedauern sind sie dennoch, da sie das US-Fehlverhalten weiter ermöglichen. Zudem könnte es China von einem langsamen, aber stabilen, da auf Konsum statt Export basierenden, Wirtschaftswachstum abhalten. Man kann nur hoffen, dass China den Drachen nach rhetorischem Muskelspiel endlich von der Leine lässt.

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