Chinalco
Gelbe Gefahr

Das chinesische Staatskonglomerat Chinalco kann eine formelle 120-Milliarden-US-Dollar-Offerte für Rio Tinto nicht einfach blockieren, wenn BHP eine solche abgibt. Doch die Chinesen haben das Geld und die Zeit auf ihrer Seite. Indem sie Aktien zu einem hohen Preis kaufen, könnten sie eine Phantom-Bieterschlacht auslösen, die BHP nur schwer gewinnen könnte.

Was hat der überraschende Erwerb eines 14 Milliarden US-Dollar schweren Anteils an dem britischen Minenkonzern Rio Tinto durch die chinesische Chinalco zu bedeuten? Er kann die 350-Milliarden-Dollar-Transaktion zwischen Rio und BHP nicht einfach verhindern. Aber die Frist für die Abgabe eines formellen Gebots für BHP rückt näher, und die Erfolgsaussichten der Offerte sehen nicht mehr sehr groß aus.

Vor einer Woche schien das BHP-Angebot noch Formsache zu sein. Sicherlich wäre ein Gebot für alle Aktien zum derzeitigen Stand von rund 3,3 BHP-Titeln für eine Rio-Aktie nicht sehr attraktiv für Rio-Aktionäre. Doch es würde die Maschinerie der Kartellzustimmung in Gang setzen, und es würde die Transaktion in eine neue Phase bringen. Während der folgenden, möglicherweise neun Monate andauernden Periode könnte BHP versuchen, Zustimmung für das Gebot zu gewinnen.

Chinalcos Eintritt ändert die Regeln des Spiels. Die chinesische Staatsfirma steht einer Verbindung von Rio Tinto und BHP möglicherweise feindselig gegenüber, obwohl Chinalco seine Absichten nicht völlig enthüllt. Neun Monate würden den Chinesen viel Zeit geben, ihre eigene Strategie zu planen. Sie haben bereits um die Erlaubnis nachgesucht, ihren Anteil zu erhöhen, trotz eines nur schwach formulierten Versprechens, dies nicht zu tun.

Chinalco könnte eine Rio-Offerte nicht einfach blockieren. Um das zu tun, müssten die Chinesen mindestens 25 Prozent der in Großbritannien notierten Aktien besitzen, was ein Gebot für alle Aktien von Rio erzwingen würde. Das ist derzeit nicht Chinalcos Absicht, sagen mit der Situation vertraute Quellen. Es wäre auch unwahrscheinlich, dass die australische Behörde für Investitionen von ausländischen Adressen einem solchen Schritt zustimmen würde.

Doch mit Geld und Zeit auf ihrer Seite hat Chinalco andere Optionen. Eine davon ist, BHP in eine Phantom-Bieterschlacht zu zwingen. Die Chinesen könnten einfach wieder und wieder kleinere Pakete von Rio-Aktien am Markt mit einem Aufschlag kaufen. Indem sie den Preis für Rio-Titel in die Höhe treiben, würden sie das BHP-Gebot alt aussehen lassen. BHP könnte zwar im Gegenzug seine Offerte erhöhen, würde dabei aber eine Wertvernichtung für die eigenen Aktionäre riskieren.

Indem man die quasi feindliche Annäherung an Rio so weit getrieben hat, steht die Glaubwürdigkeit der BHP-Führung auf dem Spiel. Wenn man sich zurückzieht, müsste BHP einige unangenehme Fragen beantworten. Weiterzumachen scheint aber eine zunehmend teure Alternative zu sein.

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