Chinesische Banken
Wie ein Deckel auf einem Sieb

Die neuen Einschränkungen Chinas bei der Kreditvergabe mögen vielleicht in einem freien Markt funktionieren, wenn sie auch unwirtschaftlich sind. Wenn aber Devisenreserven dazu herangezogen werden, um die Banken zu stützen, dann könnte die spekulative Kreditblase Chinas außer Kontrolle geraten sein.

Nachdem China in diesem Jahr schon viermal die Zinsen angehoben und damit vergeblich versucht hat, seine überbordende Wirtschaft zu zügeln, probiert das Land jetzt eine drastischere Vorgehensweise aus. Die ausgereichten Kredite der Banken dürfen am Ende des Jahres nicht über dem Stand vom 31. Oktober liegen. Das mag der einzige Weg für China sein, das Kreditwachstum einzudämmen. Aber er wird wahrscheinlich mehr Schaden anrichten als Gutes bewirken, denn diese Maßnahme setzt nicht da an, wo die Mittel vergeben werden.

Das Ausmaß der Überhitzung in China ist bemerkenswert. Die Geldmenge hat sich im vergangenen Jahr um 22 Prozent erhöht. Dadurch ist ein beträchtliches Inflationsproblem entstanden, das die offizielle Teuerungsrate von 6,5 Prozent nur unzureichend widerspiegelt. Der momentane Zinssatz auf einjährige Darlehen von 7,02 Prozent greift nicht, wenn es um die Eindämmung der Kreditvergabe geht, denn real gerechnet ist er wahrscheinlich negativ.

Quantitative Restriktionen bieten da mehr Aussichten auf Erfolg, obwohl die Erfahrungen in Großbritannien und in den USA vor dem Jahr 1970 nahe legen, dass sie sich als löchrig herausstellen und vor allem kleineren Firmen schaden werden. Die kleineren Unternehmen haben den geringsten politischen Einfluss und die geringsten Geschäfte für die Banken anzubieten. Das Ausmaß der politisch motivierten Kreditvergabe in China lässt darauf schließen, dass deren Auswirkungen schwerwiegend sein und den Anteil Not leidender Kredite erhöhen könnten, da politisch ausgerichtete Darlehen solide, nach den Regeln der freien Marktwirtschaft erfolgende Abschlüsse abdrängen.

Tatsächlich hat das Land bereits einen Teil seiner Devisenreserven über 1,4 Bill. Dollar eingesetzt, um Löcher in seinem wackligen Bankensystem zu stopfen. In diesem System zirkulieren Not leidende Kredite, die wahrscheinlich über eine Bill. Dollar hinausgehen. Hauptursache ist die Darlehensvergabe an unrentabel arbeitende staatliche Unternehmen. Die China Investment Co. - der erste staatliche Investmentfonds Chinas über 200 Mrd. Dollar, von dem das Land stolz behauptet, er sei größer als der Temasek-Fonds von Singapur -, ist vorwiegend damit beschäftigt, das Bankensystem aufzupäppeln. Zwei Drittel seiner Mittel fließen in staatliche Banken.

Wenn China eine inflationäre Spirale vermeiden will, muss es davon Abstand nehmen, die Reserven zur Sanierung des Bankensystems heranzuziehen. Eine strengere Aufsicht über die Banken, die das wahre Ausmaß der Probleme mit Not leidenden Krediten ans Licht bringen würde, könnte da Erfolg haben, wo andere Maßnahmen versagt haben – und schließlich dazu führen, dass der enormen und destabilisierenden Kreditblase des Landes die Luft ausgeht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%