Chinesische Ungewissheit
Der Schlüssel zur BNP-Fortis-Fusion liegt bei Ping An

Wieder hat ein belgisches Gericht den geplanten Verkauf der problembeladenen belgischen Bank an ihren französischen Konkurrenten gestoppt. Nach den jüngsten Einwänden liegt die Entscheidung über das Wohl oder Wehe des Deals in den Händen des chinesischen Versicherers Ping An. Aber die Beziehungen zwischen China und Frankreich sind zurzeit eher frostig, sodass BNP nicht zu sehr auf die Unterstützung Pekings hoffen sollte.
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Sieben Monate und noch kein Ende in Sicht. Das ist die Zeit, die verstreicht, zwischen der ersten Einigung über den Zusammenschluss von BNP Paribas und der Fortis-Bank im vergangenen Oktober und der nächsten, für Ende April anberaumten Aktionärsversammlung, auf der die Fortis-Anleger der Übernahme zustimmen können - oder auch nicht.

Die gleichen Aktionäre, die die erste Fassung des Deals vor zwei Monaten knapp ablehnten, sollen nun über eine revidierte Version abstimmen. Und der chinesische Versicherer Ping An, der beim letzten Mal gegen den Kauf opponierte, spielt die Schlüsselrolle.

Ping An hat gute Gründe, mit seiner 2007er Investition in den holländisch-belgischen Finanzdienstleister etwas unzufrieden zu sein. Sie verursachte einen Abschreibungsbedarf in Höhe von 2,3 Milliarden Dollar, nachdem sein 5-Prozent-Anteil 90 Prozent seines Werts verloren hatte. Bei der ersten Abstimmung stimmte das chinesische Unternehmen noch mit den verärgerten Minderheitsaktionären. Jetzt muss der Versicherer entscheiden, ob die revidierten Konditionen gut genug sind, um den Vertrag jetzt anzunehmen.

Der Hauptunterschied des neuen Vorschlags liegt darin, dass der belgische Staat jetzt einen größeren Teil der Rechnung tragen wird. Die heutige, noch immer börsennotierte Fortis wird einen großen Teil ihres Versicherungsgeschäfts weiterführen können, aber deutlich stärker von toxischen Vermögenswerten befreit werden.

Ping An muss nun zwischen einer Ablehnung des neuen Vorschlags und der möglichen Alternative abwägen. In den Augen von BNP ist Fortis ein nettes Beiwerk, aber kein Geschäft, das man um jeden Preis haben muss. Die Franzosen werden also voraussichtlich das Handtuch werfen, wenn der Deal erneut abgelehnt wird. Damit aber könnte die gesamte Organisation wieder an die belgische Regierung zurückverwiesen werden - ein wirklich bitteres Szenario.

Ping An ist ein privates Unternehmen, hat aber die chinesische Regierung um Unterstützung gebeten, um zumindest einen Teil seiner Verluste wieder wett zu machen. Bisher gibt es keine Anzeichen dafür, dass sich die Regierung einmischen wird, sollte sich das aber ändern, wird BNP kaum mit diplomatischen Pluspunkten rechnen können.

Die französisch-chinesischen Beziehungen wurden in den vergangenen Monaten durch Sarkozys Annäherungsversuche an den Dalai Lama belastet. Damit bleibt der französischen Bank kaum mehr als zu hoffen, dass das Abstimmungsverhalten Ping Ans in drei Wochen von wirtschaftlichen Überlegungen geleitet sein wird und von nichts anderem.

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