Chrysler Building
Langer Atem

Einer der Staatsfonds der Vereinigten Arabischen Emirate hat 75 Prozent an einem New Yorker Wahrzeichen gekauft: dem Chrysler Building. Es erinnert ein wenig an die katastrophale Investition von Mistubishi Estate, die sich 1989 am Rockefeller Center beteiligt hatte. Aber Abu Dhabi hat zugeschlagen, als die Spitzenpreise passé waren – und das Emirat ist reich genug, um den Abschwung auszusitzen.

Ist Abu Dhabi die neue Mitsubishi Estate? Einer der Staatsfonds der Vereinigten Arabischen Emirate hat für 800 Mill. Dollar 75 Prozent am Chrysler Building, einem der New Yorker Wahrzeichen, erworben. Das erinnert an die katastrophale Investition von Mitsubishi Estate in das Rockefeller Center. Aber der Vergleich ist vielleicht nicht ganz fair.

Zunächst ein kurzer Rückblick: Mitsubishi hatte 1989 den für damalige Verhältnisse stolzen Preis von 1,4 Mrd. Dollar für 80 Prozent des weltberühmten Rockefeller Center gezahlt. Und zwar auf dem absoluten Höhepunkt des Immobilienzyklus. Kurz danach führte ein Schwächeanfall der Finanzindustrie dazu, dass die Büromieten in den Keller rauschten. Das Rockefeller Center hatte Schwierigkeiten, seine Mietverträge aufrecht zu erhalten. Mitte der neunziger Jahre folgte schließlich der Antrag auf Gläubigerschutz.

Es klingt alles verdächtig vertraut - ein Käufer aus dem Ausland, eine Immobilie mit dem Charakter eines Wahrzeichens, Spitzenpreise im Markt, Wende des Zyklus, schwächelnde Mieter und dann ?

Aber der Abu Dhabi Investment Council geht geringere Risiken ein als Mitsubishi. Erstens einmal scheint der Staatsfonds die absoluten Spitzenpreise des Markts umgangen zu haben. Die Investition bewertet das Chrysler-Gebäude mit etwa 1 000 Dollar pro Quadratfuß gegenüber 1 400 Dollar pro Quadratfuß, die jüngst für das GM-Gebäude hingelegt wurden.

Darüber hinaus sind die Immobilienpreise in Manhattan widerstandsfähig - wenn man zu den Eigentümern mit einem sehr langen Atem gehört. Nehmen wir einmal das GM-Gebäude. Eine Gruppe von Investoren hatte es 1998 für rund 800 Mill. Dollar erworben. Zuletzt wechselte es jetzt für 2,8 Mrd. Dollar den Besitzer. In der Zwischenzeit war einer seiner Eigentümer finanziell unter heftigsten Druck geraten und der andere hat Insolvenz beantragt. Jeder der Investoren hätte eine jährliche zweistellige Rendite einstreichen können, wenn sie nur die Gläubiger in Schach gehalten hätten.

Auch Mitsubishi waren die Mittel ausgegangen. Die Gesellschaft hatte kräftig in japanische Immobilien investiert, die einen Zusammenbruch erlitten, der sogar noch ausgeprägter war als der in New York. Als die Gläubiger an die Tür klopften, musste Mitsubishi schließlich wählen, welche Immobilien das Unternehmen retten wollte.

Umgekehrt kann es sich der Fonds aus Abu Dhabi leisten, geduldig abzuwarten. In der Golfregion müsste sich schon ein verheerender Crash ereignen, bevor die enormen Geldquellen von Abu Dhabi austrockneten. Für das Emirat könnten New Yorker Immobilien sogar eine ziemlich sichere Wette darstellen.

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