Chrysler
Ein erstaunlicher Mangel an Übereinstimmung

Es gab Zeiten, da beklagte sich Chrysler, die Gewerkschaft UAW behandle das Unternehmen anders als Ford und General Motors. Aber jetzt scheinen die Chrysler-Manager selbst gar nicht so scharf darauf zu sein, die von den anderen amerikanischen Kfz-Herstellern geerbten Abschlüsse zu akzeptieren.

Es gab Zeiten, da beklagte sich Chrysler, die Gewerkschaft UAW behandle das Unternehmen anders als Ford und General Motors. Die Gewerkschaft der Beschäftigten der US-Kraftfahrzeugindustrie hatte dem Autobauer ungern die gleichen Konzessionen zugestanden, als Chrysler noch zum großzügigen Daimler-Konzern gehörte. Aber jetzt scheinen die Chrysler-Manager selbst gar nicht so scharf darauf zu sein, die von den anderen amerikanischen Kfz-Herstellern geerbten Abschlüsse zu akzeptieren.

Es stimmt, dass sie sich nun mit der UAW nach einem der kürzesten Streiks der Geschichte in einigen Punkten geeinigt haben. Aber ihr Widerstreben, einfach einen Abschluss im GM-Stil anzunehmen, war begründet. Zum Teil waren sie immer noch gekränkt darüber, dass sie aus dem Tarifabschluss von 2005 ausgeschlossen worden waren. Damals hatte die UAW zugestimmt, die Kosten für die Gesundheitsfürsorge von Ruheständlern bei den Konkurrenten um 25 Prozent zu senken. Die Chrysler-Bosse wollen diese Abmachung nun in die laufende Gesprächsrunde mit aufnehmen.

Auch wenn die Gewerkschaft in diesem Punkt nachgäbe, hätte der neue Arbeitnehmervertrag, den GM im vergangenen Monat ausgehandelt hat, vielleicht gar nicht so gut auf die Nummer Drei von Detroit gepasst. Erstens einmal ist Chrysler beim Unternehmensumbau noch nicht so weit, die Belegschaft ist noch nicht so stark reduziert worden wie bei GM. Deshalb ist es für Chrysler schwieriger, dieselben Arbeitplatz- und Standortgarantien auszusprechen wie der Konkurrent.

Zudem ist der Druck auf die Krankenkosten bei Chrysler nicht so groß. Sicher, es bestehen Verbindlichkeiten, die nicht durch ein Sondervermögen gedeckt sind, über 16 Mrd. Dollar. Aber der Autobauer muss weniger Ruheständler und deren Angehörige versorgen als GM und er hat weniger Arbeiter, die kurz vor dem Renteneintritt stehen. Die schwersten Brocken der Finanzlast kommen also auf Chrysler später zu als auf den Konkurrenten. Auch einen neuen Gesundheitsfonds, der diese Kosten verwaltet, zu finanzieren, wäre ein bisschen härter. Selbst bei einem Abschlag von 30 Prozent, wie ihn GM offensichtlich erwirkt hat, ginge ein großer Teil der Liquidität von 17 Mrd. Dollar dafür drauf, den Chrysler ohne Zweifel lieber dafür einsetzen würde, wieder in die schwarzen Zahlen zu kommen.

Nicht nachzugeben und auf einen besseren Abschluss zu warten, wäre ein gutes Zeichen für Ford gewesen. Auch Ford könnte zum gegenwärtigen Zeitpunkt Schwierigkeiten haben, einen Deal bei der Gesundheitsvorsorge à la GM zu finanzieren. Auch wenn der Kfz-Hersteller über Liquidität von 37 Mrd. Dollar verfügt, sind bereits mehr als zwei Drittel davon vergeben. Ford hat den Großteil seiner Vermögenswerte im vergangenen Jahr hypothekarisch belastet, und die UAW könnte davor zurückschrecken, dass ein großer Teil des neuen Gesundheitsfonds an Ford-Aktien gebunden ist. Ein schneller Verkauf von Volvo könnte der einzige Ausweg sein, diese Kluft zu überbrücken.

Natürlich sieht es jetzt so aus, als hätten sich Chrysler und UAW nur einen halbherzigen Schaukampf geliefert. Vielleicht sollte die Gewerkschaft jetzt den Chef von Ford, Alan Mulally, anrufen und ihm sagen, er solle seine Firma einfach geschlagen geben und dann sogleich zu einer Übereinkunft voranschreiten. Auf diese Art könnten sich alle Parteien ein weiteres sinnloses Melodrama sparen.

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