CIT
Von Kunststück zu Kunststück

Der US-Mittelstandsfinanzierer CIT wird sich in Windeseile aus dem Insolvenzverfahren befreien und dann fast elf Mrd. Dollar weniger an Verbindlichkeiten aufweisen. Doch nach wie vor muss die Bank einen Weg finden, Mittel aufzutreiben, um neue Kredite zu attraktiven Konditionen vergeben zu können. Die CIT mag ihre Schuldenlast verringert haben, aber ob sie langfristig überlebensfähig ist, bleibt ungewiss.
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Der US-Mittelstandsfinanzierer CIT dürfte sich in dieser Woche - um elf Mrd. Dollar an erdrückenden Schulden leichter - aus dem Insolvenzverfahren befreien. Damit hat die Bank beträchtliche Schwierigkeiten überwunden, denn es gelingt Finanzfirmen oft nicht, sich aus den Fängen des Chapter 11-Gläubigerschutzes herauszuwinden. Trotzdem muss das Unternehmen erst noch einen Weg finden, um sein Geschäft wieder auf Kurs zu bringen und Mittel aufzutreiben, um neue Kredite zu attraktiven Konditionen gewähren zu können. CIT mag zwar seine Schuldenlast reduziert haben, aber ob die Bank langfristig überlebensfähig ist, bleibt ungewiss.

Mit dem geordneten Umstrukturierungsdeal wurden Schuldtitel von CIT über 10,5 Mrd. Dollar und Vorzugsaktien über drei Mrd. Dollar vernichtet. Auch die Stammaktionäre haben alles verloren. Im Zuge des Umbaus wird die Firma neue Aktien begeben, vorwiegend an bevorrechtigte Gläubiger. Als CIT den Insolvenzantrag einreichte, schätzte sie den Wert der neuen Titel auf rund acht Mrd. Dollar.

Nun werden die Bonds, die ursprünglich zu 70 Cent zum Dollar gegen neue Schuldtitel und Aktien getauscht werden sollten, mit 76 Cent gehandelt. Dies legt nahe, dass die neuen Wertpapiere diesen Wert sogar noch leicht übertreffen und somit den restlichen Verbindlichkeiten von CIT über 37 Mrd. Dollar einen vernünftigen Puffer bieten könnten. So weit, so gut.

Doch CIT ist immer noch auf der Suche nach einem neuen Chef und mehreren Board-Mitgliedern. Sie muss die Kunden davon überzeugen, dass die Insolvenz keine bleibenden Auswirkungen auf die Fähigkeit der Bank haben wird, mit ihnen zu arbeiten. Und vor allem anderen muss sich die Bank billigere Finanzierungsmöglichkeiten erschließen.

Die Märkte für Fremdkapital haben sich zwar erholt, aber das alte CIT-Modell, Commercial Paper zu begeben, um die Kreditvergabe zu finanzieren, funktioniert nach wie vor nicht mehr. Die konkurrierende GE Capital reduziert ihre Emissionen von Commercial Paper weiter, auch wenn die Firma über eine weit höhere Bonitätsbewertung verfügt als CIT.

CIT könnte zudem auf Hindernisse dabei stoßen, Einlagen über ihre Banktochter hereinzunehmen. Die Aufsichtsbehörden hatten im September eine Unterlassungsanordnung verhängt, die neue Einlagen vereitelt. Die Branchenwächter dazu zu überreden, die Anordnung aufzuheben, ist keine Selbstverständlichkeit.

CIT geht davon aus, einige nicht zu den Kernbereichen zählende Vermögenswerte verkaufen und von einem niedrigeren Niveau aus wieder wachsen zu können, während sich die US-Wirtschaft erholt. Das könnte eintreten - schließlich öffnen sich die Kreditmärkte gerade. Doch für ein Unternehmen, das knapp der Liquidation entronnen ist, müsste schon eine Menge richtig laufen. CIT hat zwar mit Erfolg die drohende Insolvenz gemeistert, doch das nächste Kunststück dürfte viel schwerer zu vollführen sein.

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