Citadel
Hedge-Fonds: Sturm auf die Zitadelle

Hedge-Fonds Citadel hat kurzfristig eine Telefonkonferenz anberaumt, um seine Kapitalgeber zu beruhigen. Das war riskant. Nach den katastrophalen Versuchen von Lehman Brothers und Bear Stearns, Marktgerüchte zu beschwichtigen, schenken die Geldgeber der Geschichte von Fonds-Manager Ken Griffin vielleicht keinen Glauben mehr.

Jetzt liefern also die Gerüchte um den Hedge Fonds Citadel das Wasser für die Panikmühlen der Finanzmärkte. Der in Chicago beheimatete Hedge Fonds-Komplex unter der Leitung des Wunderkinds Ken Griffin ist durch angebliche Zwangsverkäufe, Liquiditätsprobleme und das Einschreiten der Finanzaufsicht mitten in den sich verdichtenden Dampf der Gerüchteküche geraten. Solche Angriffe können das Führen der Geschäfte schwer machen. Aber auf sie zu reagieren, ist auch gefährlich. Griffins Entscheidung, am späten Freitagnachmittag, als die Märkte auf breiter Front in die Knie gingen, eine überraschende Telefonkonferenz anzuberaumen, war hochriskant. Allein ihre Ankündigung hatte die Nervosität noch gesteigert und die Konferenz musste nach hinten verschoben werden, weil die globalen Horden der Wall Street-Investoren bei dem Versuch, auch dabei zu sein, die Telefonleitungen verstopften.

Aber die eigentliche Gefahr besteht darin, dass - nach den katastrophalen Versuchen von Bear Stearns und Lehman Brothers, gegen sie gerichtete Gerüchte zu beschwichtigen, - die Kapitalgeber Griffins Geschichte keinen Glauben mehr schenken. Ob Griffin sie überzeugt hat oder nicht, ist schwer zu sagen. Citadel ist nicht öffentlich notiert, verfügt nur über einen kleinen Anteil an Anleihen, die selten den Besitzer wechseln, und aussagekräftige Kurse von Credit Default Swaps (CDS), also von Kreditderivaten zum Handeln von Ausfallrisiken, die Auskunft über die Wahrscheinlichkeit der Zahlungsunfähigkeit des Hedge Fonds geben könnten, sind schwer aufzutreiben. Dies verleiht der Firma einen großen Vorteil. Sie ist keinen trudelnden Aktien ausgesetzt oder CDS, die als Barometer für die Skepsis der Märkte fungieren, und die die Gegenparteien vertreiben könnten.

Griffin und Chief Operating Officer Gerald Beeson haben gute Gründe für ihren Appell an die Investoren vorgebracht, Ruhe zu bewahren. Zwar hat ihr Vorzeigefonds Kensington 35 Prozent verloren, weil die Kassamärkte in den Wochen nach dem Niedergang von Lehman Brothers stärker nachgegeben hatten als ihre Absicherungen gestiegen waren. Aber die beiden Manager legten dar, dass Citadel über 30 Prozent seines Investmentkapitals in Barmitteln oder vergleichbaren Instrumenten angelegt hat, über nicht in Anspruch genommene Kreditkapazitäten über acht Mrd. Dollar verfügt und keine Verluste aus seinen Engagements mit den Gegenparteien verbucht, die, wie sie in extenso darlegten, breit gestreut seien. Zudem gehen sie davon aus, dass die Anleger zum Jahresende nur "ein paar Prozent" des Investmentkapitals des Fonds abziehen.

Klingt gut. Aber in diesen nervenaufreibenden Zeiten kann die Art und Weise der Übermittlung wichtiger sein als die Botschaft selbst. Ein Bankchef nach dem anderen hatte den Investoren und Gegenparteien unverfroren Honig um den Mund geschmiert. Sie haben den Preis dafür mit heftigen Verlusten bezahlt. Griffin mag die Ausnahme dieser traurigen Regel sein, und Citadel ist vielleicht wirklich die trutzige Festung, die ihr Name verspricht. Aber indem Griffin auf solch unerwartete Weise seinen Kopf über die Brüstung hinausgestreckt hat, läuft er durchaus Gefahr, dass verstimmte Investoren und Gegenparteien versuchen werden, ihn abzuschießen.

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