Citigroup
Aus der Not eine Tugend machen

Sicher, neue Aktien über drei Mrd. Dollar zu verkaufen, scheint keine große Sache für Citigroup zu sein, wenn RBS gleichzeitig auf fast das Zehnfache abzielt. Aber bei einem Kurs von rund 26 Dollar je Aktie gegenüber 50 Dollar und darüber im Vorjahr, unterstreicht der Plan nur den traurigen Zustand der größten Bank der Welt. Und er setzt einen neuen Imperativ für die Banken, zu beweisen, dass sie mindestens so viel Kapital haben wie die Konkurrenten.

Mit dem jüngsten Plan, Stammaktien über drei Mrd. Dollar auszugeben, wird Citigroup sich insgesamt frisches Kapital im Wert von rund 40 Mrd. Dollar beschafft haben, seitdem Chuck Prince Anfang November vom Chefsessel gestoßen worden ist. Verglichen mit dem, was vorher schon alles passiert ist und im Vergleich zu Vorhaben wie der Bezugsrechtsemission von RBS über 24 Mrd. Dollar, scheint der Entschluss von Citigroup keine allzu große Sache zu sein.

Aber ein Verkauf, der in der Nähe des Schlusskurses vom Dienstag von knapp über 26 Dollar liegen dürfte – gegenüber einem Kurs von 50 Dollar und darüber im Vorjahr -, sieht opportunistisch aus und unterstreicht die Bedürftigkeit der Bank. Zudem könnte sich ein neuer Imperativ für die Banken herausbilden, zu beweisen, dass sie über mindestens ein genau so großes Kapitalpolster verfügen wie jeder beliebige Konkurrent, der gerade als Letzter die Märkte angezapft hat.

Das Ziel von Citigroup für ihre Kernkapitalquote im Verhältnis zu den risikogewichteten Aktiva liegt bei 7,5 Prozent. Die Finanzaufsicht spricht schon bei sechs Prozent von einer guten Kapitalausstattung. Aber Citigroup rechnet damit, dass der jüngste Deal ihre Kernkapitalquote auf 8,5 Prozent hievt. Und das Finanzinstitut arbeitet zudem noch an Entflechtungen, die diese Kennzahl noch weiter in die Höhe treiben könnten.

Natürlich ist es umsichtig, einen Puffer einzubauen, der gegen weitere Kreditverluste etwa im Bereich Verbraucherkredite und gegen die verminderte Flexibilität im außerbilanziellen Geschäft schützt. Darüber hinaus war es vielleicht notwendig, der Portion von Vorzugsaktien über sechs Mrd. Dollar aus der vergangenen Woche noch einen Nachschlag an Stammaktien draufzusetzen, um sicher zustellen, dass die Vorzugsaktien auch alle gemäß den Vorschriften der US-Notenbank dem Kernkapital zuzurechnen sind – die Regeln der Fed begrenzen nämlich den Anteil des Kapitals, der außer Stammaktien gewisse Arten von Vorzugspapieren umfassen darf.

Die Großbanken scheinen überdies momentan über ihre Kapitalziele hinausschießen zu wollen. Vielleicht bemühen sie sich darum – mit welchem Zeitverzug auch immer -, ihre Bilanzen so sicher wie eine Festung aussehen zu lassen, zumindest unter ihresgleichen.

Die Deutsche Bank hat, auch wenn sie bei US-Hypothekendarlehen zweitklassiger Bonität relativ unbeschadet davongekommen ist, ihre eigenen Probleme, aber mit einer Kernkapitalquote von 9,2 Prozent gehört die aufsichtsbehördlich geforderte Mindestkapitalausstattung nicht dazu. RBS geht davon aus, dass ihre vergleichbare Quote nach der Bezugsrechtsemission bei über acht Prozent liegen wird. JPMorgan hat Vorzugstitel über sechs Mrd. Dollar verkauft, kurz nachdem sie eine Kernkapitalquote von 8,3 Prozent bekannt gegeben hatte.

Der Finanzvorstand von Citigroup, Gary Crittenden, hat schon erklärt, er könne “niemals nie sagen“, was eine weitere Kapitalerhöhung anginge. Wenn sich die Banken weiter einen Wettlauf um die dickste Kapitalausstattung liefern, werden sie alle wieder zu den Investoren zurückkommen, um sie um noch mehr Geld anzupumpen.

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