Citigroup
Erzwungene Trennung?

Der Board der Citigroup und ihr CEO Chuck Prince haben sich einer möglichen Zerschlagung der Bank lange entgegengestemmt, auch wenn ein solcher Schritt Werte freigesetzt hätte. Aber jetzt bleibt ihnen vielleicht keine andere Wahl mehr.

Charles Prince, der Chef von Citigroup, hat die Mischstruktur der Bank genau so wie sein Board lange verteidigt. Das könnte sich bald ändern - aber nicht weil die Führungsspitze damit Aktionäre ruhig stellen will, die von der Bank verlangen, Werte frei zu setzen, die in ihren einzelnen Bestandteilen eingeschlossen sind. Nein, es ist der miserabel aussehende Zustand der Kapitalbasis von Citigroup, der das Thema forcieren könnte.

Die Eigenkapitalquote des Kreditinstituts ist in sämtlichen Berechnungen gefallen. Die Kernkapitalquote, die das Eigenkapital und offen gelegte Reserven beinhaltet, liegt mit 7,4 Prozent sogar noch unter dem eigenen Ziel von Citigroup, auch wenn die Bank versichert, man unternehme Schritte, dies zu verbessern. Anstoß nehmen die Analysten aber vor allem am Verhältnis zwischen dem Tangible Equity, also dem gesamten den Aktionären zurechenbaren Eigenkapital abzüglich Goodwill und abzüglich identifizierbarer immaterieller Anlagenwerte, und dem Sachkapital. Hier beläuft sich die Quote auf gerade einmal 2,8 Prozent, sie ist damit um fast die Hälfte niedriger als bei den Branchenkonkurrenten, berichtet CIBC.

Wie ist es dazu gekommen? Das hängt weniger mit den von Prince als Abweichung bezeichneten Drittquartalsergebnissen von Citigroup zusammen, die mehr als sechs Mrd. Dollar an Abschreibungen und erhöhte Reserven für künftige Kreditverluste umfasst hatten. Schuld daran ist vielmehr seine Einkaufstour über 28 Mrd. Dollar, die er angetreten hat, nachdem die US-Notenbank das Akquisitionsverbot für Citigroup Anfang des vergangenen Jahres aufgehoben hatte. Die Zukäufe, darunter Nikko Securities und das Portfolio über Kreditkartenforderungen von Federated, haben der Bank zwar zusätzliche Vermögenswerte eingebracht. Diese haben sich aber bis jetzt noch nicht ausreichend auf die Gewinne niedergeschlagen. Deshalb hatte sich die Quote in den 18 Monaten bis zum Juni schon um ein Drittel verringert.

Warum ist es ein Problem, dass die Quote so niedrig ist? Nun, viele Investoren sehen in ihr das Kriterium mit der eindeutigsten Aussagekraft über die finanzielle Lage einer Bank und als Indikator dafür, über wie viel Liquidität ein Institut verfügt, um in sein Geschäft zu investieren. Und die Quote könnte noch weiter sinken, wenn Citigroup noch mehr Abschreibungen verbuchen oder noch mehr Geld für mögliche Verluste zur Seite legen muss - oder wenn die Bank sogar einen Teil der 80 Mrd. Dollar, die von ihren ins Trudeln geratenen SIVs verwaltet werden, finanzieren oder in die eigenen Bücher übernehmen muss.

Das Kreditinstitut nimmt schon keine Aktienrückkäufe mehr vor. Aber Meredith Whitney von CIBC schätzt, dass die Bank mehr als 30 Mrd. Dollar sammeln muss, um wieder auf Rufweite an ihre Branchenkollegen heranzukommen. Um das zu erreichen, hat Citigroup keine allzu attraktiven Optionen.

Die Bank könnte einen Brocken an Kreditkartenforderungen oder Autofinanzierungen oder Hypotheken auf den Markt werfen - aber einen guten Preis für solche Vermögenswerte zu bekommen, ist momentan nicht gerade einfach, wie die SIVs von Citigroup bezeugen können. Sie könnte die Jahresdividenden über etwa 10 Mrd. Dollar ganz oder teilweise kürzen. Dann würden aber die Investoren die Aktien des Instituts verkaufen, die in diesem Jahr bereits um 30 Prozent an Wert verloren haben. Oder sie könnte es mit einer Kapitalerhöhung probieren -allerdings zu einem sehr gedrückten Preis.

Deshalb erscheint eine Zerschlagung von Citigroup die am wenigsten schmerzliche Alternative für den Board zu sein. Wenn die Wertpapiertochter Smith Barney denselben Aufschlag des 2,2-fachen der vorangegangenen Einnahmen erzielen würde, den A.G.Edwards von Wachovia bekommen hat, dann könnte Citigroup rund 27 Mrd. Dollar einstreichen. Aber zu einer solchen Kehrtwendung gezwungen zu sein, erfordert ein weiteres Opfer: den Kopf des Mannes, der Citigroup dahin gebracht hat und der sich einer Aufgliederung der Bank zum richtigen Zeitpunkt widersetzt hat.

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