Citigroup
First Nationalised City Bank

Der Citigroup gehen die Optionen aus. Es fehlt an Vertrauen in das Institut und in sein Management. Vermögenswerte zu verkaufen, war einmal sinnvoll - jetzt nicht mehr. Und für die Bank als Ganze gibt es auch keinen Käufer. Ein Rettungspaket wie das Tarp in seiner ersten Fassung würde nicht viel bringen. Eine Verstaatlichung im Stil der Royal Bank of Scotland ist scheinbar kaum mehr zu vermeiden.

Vor einem halben Jahrhundert hatte sich die Bank, die heute unter dem Namen Citigroup bekannt ist, mit einer Konkurrentin zusammengeschlossen und in First National City Bank of New York umfirmiert. Bei ihrem nächsten großen Deal muss sich das Institut vielleicht überlegen, ihren Namen in First Nationalised City Bank zu ändern. Da der nach Vermögenswerten größten amerikanischen Bank schnell die Überlebensoptionen ausgehen, erscheint es immer schwieriger, einer vollständigen oder einer Teilverstaatlichung zu entgehen.

Was ist los mit Citigroup? Blöde Frage - werden Sie denken. Schließlich sind die Aktien der Großbank in der vergangenen Woche um die Hälfte abgesackt. Aber um eine Therapie vorschlagen zu können, muss man das Problem zuerst diagnostizieren. Doch es scheint keine eindeutige Krankheit vorzuliegen. Vielmehr haben die Investoren einfach das Vertrauen verloren, dass das Institut und sein Management in der Lage sind, der Finanz- und Wirtschaftskrise die Stirn zu bieten.

Damit entsteht eine negative Rückkopplungsschleife, wobei die Gegenparteien und Gläubiger eine zusätzliche Absicherung gegen den Zusammenbruch der Citigroup verlangen. Dies spiegelt sich auf dem Markt für Credit Default Swaps wider, also dem Markt für Kreditderivate zum Handeln von Ausfallrisiken von Krediten und Anleihen, der dann den Aktienkurs noch ein bisschen weiter nach unten drückt. Die Sorge besteht, dass das blinkend rote Alarmzeichen auf der Kurstafel die Möglichkeiten für Citigroup weiter beeinträchtigt, ihre Geschäfte zu finanzieren und dass deswegen vielleicht sogar die Einleger - der Lebensnerv der Bilanz der Bank - die Flucht ergreifen.

Um es noch einmal ganz klar zu sagen: Es gibt keinen Einzelauslöser für diesen Mangel an Vertrauen. Vielmehr sind mehrere Ereignisse zusammengekommen: Vor einer Woche war ein Bericht aufgetaucht, der nahe legte, dass einige der Board-Mitglieder der Bank vehement die Ablösung von Chairman Win Bischoff betreiben. Citigroup dementierte den Bericht in einer Art und Weise, die den Eindruck nicht völlig auslöschte, dass der Board in Führungsfragen uneins ist.

Dann teilte die Bank mit, sie werde Vermögenswerte über 17,4 Mrd. Dollar erwerben, die von Zweckgesellschaften gehalten wurden und nicht loszuschlagen waren. Überdies sollen 50 000 Mitarbeiter entlassen werden. Eine Unmenge schlechter Nachrichten - auch wenn vieles davon bereits bekannt oder erwartet worden war. Um dem Ganzen noch eins draufzusetzen, war auch die Art, wie Chief Ececutive Vikram Pandit die Hiobsbotschaften verkündete - in einem Rathaus mit Teilen der Belegschaft - kaum als vertrauensbildende Maßnahme geeignet.

Welche Optionen hat Citigroup eigentlich noch, um das Vertrauen wiederherzustellen? Ein Verkauf als Ganzes kommt nicht wirklich in Frage, da es keine offensichtlichen Interessenten gibt. Während ihr Marktwert von 22 Mrd. Dollar sie zwar in die Reichweite etwa von HSBC, US Bancorp oder Royal Bank of Canada rückt, sollten unbeantwortete Fragen über den Wert der Vermögenswerte in ihrer Bilanz über zwei Bill. Dollar vernünftige Käufer abhalten.

Citigroup verfügt tatsächlich über einige wertvolle Geschäftsbereiche. Aber es ist unwahrscheinlich, dass einer von ihnen - von der Vermögensverwaltung Smith Barney bis hin zur mexikanischen Tochter Banamex - derzeit genügend Interesse auf sich zieht, um mehr als Schleuderpreise erzielen zu können. Die Zeit, Geschäfte abzustoßen, ist vorbei - auch wenn sie wiederkehren dürfte, wenn sich Citigroup wieder stabilisiert.

Damit bleiben die Rettungsmaßnahmen des Troubled Asset Relief Program, kurz Tarp, des US-Finanzministeriums, über das die Citigroup bereits eine Spritze in Form von Vorzugsaktien über 25 Mrd. Dollar erhalten hat. Unglücklicherweise würde jedoch eine weitere Zufuhr zu den gleichen Konditionen nicht notwendigerweise funktionieren - sie wäre auch nicht einfach zu bewerkstelligen. Denn weitere 25 Mrd. Dollar würden vielleicht nicht ausreichen, um die Bedenken über eine Bilanz, die so groß ist wie die von Citigroup, zu beschwichtigen - besonders wenn es in den vergangenen Wochen zu einer Erosion des Einlagenstamms über 880 Mrd. Dollar gekommen wäre.

Aber das Geld aus dem Tarp könnte eingesetzt werden, um eine beträchtliche Beteiligung an der Citigroup einzugehen - etwa in der Art und Weise, wie die britische Regierung bei der Rettung der Royal Bank of Scotland (RBS) vorgegangen ist. Die britische Regierung wird wahrscheinlich letztendlich rund 58 Prozent an der RBS halten. Über das Tarp könnte das US-Finanzministerium zum Beispiel neue Citigroup-Stammaktien über 50 Mrd. Dollar kaufen. Bestehenden Aktionären könnte das Recht eingeräumt werden, sich ebenfalls zu beteiligen. Nennen wir es eine Bezugsrechtemission, die von der US-Regierung übernommen wird.

Eine solch umfangreiche Zufuhr von frischem Kapital - zusammen mit der de facto Anerkennung, dass Uncle Sam mehr oder weniger genau so hinter dem systemrelevanten Institut Citigroup steht wie er jetzt schon Fannie Mae und Freddie Mac stützt - sollte das Vertrauen wiederherstellen. Und wenn erst einmal glaubwürdigere Manager eingesetzt worden sind, die das Geschäft schließlich in besser zu steuernde Einheiten aufbrechen, dann könnte die Regierung vielleicht sogar einen Gewinn erwirtschaften.

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