Citigroup
Kapitale Rätsel

Man füge der ständig länger werdenden Liste von Problemen bei Citigroup die hohen Kreditkosten hinzu. Der US-Finanzgigant musste bei seiner neuen Anleihe über vier Mrd. Dollar rund 60 Prozent mehr an Zinsaufschlägen zusammenkratzen als bei seinem letzten Bond – und der war mitten in der Liquiditätskrise im August vom Stapel gegangen. Aber Citigroup ist nicht das einzige Finanzinstitut, das etwas springen lassen muss, um an Liquidität zu kommen.

Man füge der ständig länger werdenden Liste von Problemen bei Citigroup die hohen Kreditkosten hinzu. Der US-Finanzgigant musste bei seiner neuen Anleihe über vier Mrd. Dollar rund 60 Prozent mehr an Zinsaufschlägen zusammenkratzen als bei seinem letzten Bond – und der war mitten in der Liquiditätskrise im August vom Stapel gegangen. Aber Citigroup ist nicht das einzige Finanzinstitut, das etwas springen lassen muss, um an Liquidität zu kommen.

Jede Bank, die die längerfristigen Anleihemärkte anzapft, wird jetzt mehr hinlegen müssen als noch Anfang des Jahres. Die Kreditkrise hat dazu geführt, dass ihre ausstehenden Papiere gefallen sind, und sich der Aufschlag oder die Prämie gegenüber den Staatsanleihen ausgeweitet hat. Die Banken mögen sich an die Hoffnung klammern, dass die Spreads in einem Monat oder zwei wieder auf ein Normalmaß geschrumpft sein könnten. Und ist denn Citigroup nicht ohnehin ein Sonderfall? Schließlich hat der Bankenriese Abschreibungen über 17 Mrd. Dollar verbucht, seine Eigenkapitalquoten zählen zu den niedrigsten der Branche und er hat sich gerade von seinem Chef getrennt.

Aber diese Hoffnungen erscheinen fehlgeleitet. Erstens gibt es wenig Anhaltspunkte dafür, dass sich die Aufschläge für den Finanzsektor im neuen Jahr verbessern werden. Es ist wahrscheinlich, dass es am Ende des Jahres und möglicherweise darüber hinaus erneut zu Abschreibungen auf US-Hypothekendarlehen zweitklassiger Bonität und auf CDOs, also auf Wertpapiere, die mit einem Pool von Anleihen, Krediten und anderen Vermögenswerten unterlegt sind, kommen wird. Und Anleiheinhaber sind sowieso nicht so überzeugt wie Aktienbesitzer, dass selbst dann das Schlimmste schon überstanden ist.

Zweitens sind Anleihe-Investoren schon bis über beide Ohren mit den Schuldtiteln der Banken eingedeckt, auf die etwa zwei Drittel aller erstklassig bewerteten Bond-Emissionen in Europa und den USA entfallen. So lange sie sich nicht sicher sein können, wie sich die Wirtschaft und die Kreditqualität entwickeln, werden sie hohe Aufschläge verlangen. Zudem stehen immer noch viele Papiere aus, die auf die billige Tour zu haben sein könnten: In Schwierigkeiten geratene Investmentvehikel für strukturierte Produkte stehen insgesamt mit rund 150 Mrd. Dollar in der Kreide und müssen vielleicht verkaufen, um ihre eigenen Verbindlichkeiten zu begleichen.

Aber es kann noch schlimmer kommen. Citigroup ist nicht die einzige Bank, deren Eigenkapitalquoten gefallen sind. Viele Institute werden unter noch größeren Druck geraten, wenn sich der Kreditengpass über Hypotheken und fremdfinanzierte Kredite hinaus ausweitet. Wenn das eintritt, wird eine ganze Reihe von Banken auf beiden Seiten des Atlantiks für mehr Eigenkapital sorgen müssen – Unternehmensfinanzierer stellen ihre Listen bereits zusammen. Da viele Bankaktien auf Tiefständen notieren, wird ihr Leben dadurch noch teurer werden.

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