Citigroup
Pechvogel Chuck

Chuck Prince hatte das Ruder bei Citigroup übernommen, als der Finanzdienstleister mitten in Turbulenzen mit den Aufsichtsbehörden steckte. Seitdem wurden Beobachter das Gefühl nicht los, er sei von der Komplexität des Kreditinstituts überfordert. Was für eine Art von Chef das Kreditinstitut nun braucht.

Der größte Fehler von Chuck Prince war es, dass er die Gastfreundschaft von Citigroup überbeansprucht hat. Der vergeistigte Jurist hatte den Spitzenplatz bei Citigroup eingenommen, als der Finanzriese gerade mitten in Turbulenzen mit den Aufsichtsbehörden steckte. Der gewaltigen Sammlung von Geschäften, die sein Vorgänger Sandy Weill zusammengeschustert hatte, fehlte ein durchgängiger roter Faden. Das hat Prince teilweise korrigiert. Das Problem ist nur, dass es ihm nicht gelungen ist, die Einzelteile funktional so eng zusammenzubringen, dass sie greifbare, für die Aktionäre wahrnehmbare Synergien abwarfen.

Schließlich hatte Prince, als die Kreditkrise zuschlug, bei den Aktionären den Eindruck hinterlassen, er habe die komplexen Vorgänge bei der Bank nicht im Griff. Seine Bemerkung, die Kreditverluste von Citigroup im dritten Quartal seien eine „Abweichung“, nachdem er Monate zuvor hatte fallen lassen, Citigroup „tanze immer noch“ auf dem Ball der kreditfinanzierten Übernahmen, schien unverantwortlich zu sein.

Was Citigroup jetzt braucht, ist ein Vertrauen erweckender Mann an der Spitze, der emotional nicht an das Vermächtnis der Expansion von Weill gebunden ist. Es muss jemand sein, der weiß, wie der Maschinenraum der Hochfinanz funktioniert.

Wie bei Merrill Lynch wird die erste Aufgabe darin bestehen, eine klare Bestandsaufnahme des Unrats zu machen, der die Rohre bei Citigroup verstopft. Das bedeutet, dass sich die Bank mit den gesamten Risiken herumschlagen muss, die ihr durch forderungsbesicherte Wertpapiere erwachsen können. Einhergehend damit muss die Citigroup erklären, wie sie ihre geschwächte Kapitalbasis stärken will. Prince hatte die Notwendigkeit für Citigroup hervorgehoben, organisch in ihre Geschäftsbereiche zu investieren, dann aber trotzdem Akquisitionen über fast 30 Mrd. Dollar vorgenommen.

Der nächste Chef von Citigroup steht einer außergewöhnlichen Herausforderung gegenüber. Er muss die Tiefen der finanziellen Schwierigkeiten ausloten. Und dann, wenn diese einmal behoben sind, muss er vielleicht dazu bereit sein, das Konglomerat auseinander zu nehmen.

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