Citigroup/Phibro
Ganz oder gar nicht

Die Citigroup könnte einen großen Anteil an ihrer Rohstoffhandelstochter Phibro verkaufen, um die Aufregung über den Bonus von Phibro-Chef Andrew Hall über 100 Mill. Dollar zu beschwichtigen. Doch stünde dann immer noch Kapital auf dem Spiel. Wenn die Bank nicht rechtfertigen kann, dass sich Phibro uneingeschränkt in ihrem Besitz befindet, dann sollte sie den Bereich einfach ganz abstoßen.
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Einen Mehrheitsanteil an Phibro zu verkaufen, ist für die Citigroup auch nicht die Lösung. Sicher könnte die angeschlagene Bank durch einen solchen Schritt die Aufregung um den beträchtlichen Bonus für Phibro-Chef Andrew Hall etwas beschwichtigen. Dem Leiter der Rohstoffhandelstochter des Kreditinstituts sollen in diesem Jahr 100 Mill. Dollar an Boni gezahlt werden. Die Höhe der Zulage hatte in der Öffentlichkeit eine lebhafte Debatte darüber ausgelöst, ob sich Phibro vollständig im Besitz der Citigroup befinden muss oder ob ein solches Unternehmen überhaupt in das Geschäftsportfolio der Bank passt. Das bringt die Citigroup in einen Erklärungsnotstand.

Phibro hat sich für das Institut als Gewinn erwiesen. In den vergangenen zehn Jahren brachte die Rohstoffhandelstochter bis zu 4,5 Mrd. Dollar an Einnahmen ein, in den vergangenen zwei Jahren waren es jeweils fast 700 Mill. Dollar. Im Jahr 2007 entfielen auf den Bereich nach Angaben des „Wall Street Journal“ etwa zehn Prozent des Gewinns der Bank von 3,6 Mrd. Dollar. Das ist nicht unerheblich, auch wenn die Ergebnisse der Firma in jenem Jahr aufgrund von Verlusten bei Collateralised Debt Obligations dezimiert worden waren. Und Risiken einzugehen, war ja einmal das Ziel der Finanzfirmen, besonders jener, die über große Investment Banking- und Handelsbereiche verfügten.

Aber Phibro ist anders als andere Handels- oder Hedge Fonds-Geschäfte, über die Citigroup und deren Konkurrenten entweder früher verfügten oder die sie immer noch betreiben. Der Bereich arbeitet weitgehend autonom und scheint äußerst stark auf eine einzige Person zugeschnitten zu sein: Andrew Hall. Trotz aller Erfolge, die Phibro in der Vergangenheit erzielt hat, würde diese Art von Struktur bei jedem Institut Besorgnis auslösen – um so mehr bei einer Bank, die durch die amerikanischen Steuerzahler gestützt werden muss und von einer Regierung beobachtet wird, die empfindlich darauf reagiert, wenn Banken Risiken eingehen oder überdimensionierte Vergütungspakete verteilen, und die die Rolle der Investoren aus dem Finanzbereich auf den Rohstoffmärkten besonders kritisch beäugt.

Wenn die Spitzenvertreter der Citigroup darlegen könnten, dass sie die Risiken, die Phibro eingeht, vollständig unter Kontrolle haben und dass die Tochter angemessen dafür zahlt, wenn sie das Kapital der Bank heranzieht, um Wetten abzuschließen, dann könnten sie so zumindest einigermaßen rechtfertigen, den Bereich zu behalten. Wenn sie dazu nicht in der Lage sind, würde ein Verkauf eines großen Anteils an Phibro wenig bewirken, außer dass sich dadurch die Ergebnisse der Bank verringern. Ein Teil des Kapitals der Citigroup wäre dann immer noch Risiken ausgesetzt, die Bank wäre dadurch immer noch abgelenkt. Es wäre viel ratsamer, die Tochter gleich ganz abzustoßen. Dies sollte zumindest eine ordentliche Portion Cash einbringen.

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