Citigroup-Rettung
Bitte warten, Herr Paulson

Die US-Regierung hatte der Citigroup Kapital über 45 Mrd. Dollar zugeführt, das jetzt 53 Mrd. Dollar wert ist. Natürlich denkt Uncle Sam nun daran, sich diese Gewinne zu sichern. Doch einen solch enormen Überhang zu liquidieren, würde die Aktien der Bank schwer in Mitleidenschaft ziehen. Außerdem ist die US-Regierung immer noch intensiv mit der Bilanz des Instituts befasst.
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Nur wenige hatten dem Versprechen des ehemaligen US-Finanzministers Hank Paulson geglaubt, die US-Regierung werde ihr Geld, das sie in die Rettung angeschlagener Banken gesteckt hatte, wieder zurückbekommen. Da sich die umfangreiche Investition des Staats in den hoffnungslosen Fall Citigroup nun aber tatsächlich in der Gewinnzone bewegt, sollten die Schwarzmaler vielleicht schon einmal ihre Entschuldigungen verfassen. Doch noch müssen sie sie nicht vortragen.

Im Rahmen des Troubled Asset Relief Programme (Tarp) zur Rettung amerikanischer Kreditinstitute hatte das Treasury einen Anteil über 45 Mrd. Dollar an der Mega-Bank übernommen. Dieser ist heute 52 Mrd. Dollar wert. Das sieht auf dem Papier großartig aus - doch diesen Zuwachs tatsächlich in Gewinne umzumünzen, dürfte nicht so einfach werden. Darüber hinaus wird die Regierung dann immer noch einem großen und Besorgnis erregenden Teil der Bilanz der Citigroup ausgesetzt sein.

Trotzdem ist es richtig, dass die Regierung nun über Wege nachdenkt, wie sie ihr Geld teilweise zurückbekommen kann. Die US-Regierung hält 7,7 Mrd. Aktien oder 34 Prozent des Stammkapitals der Bank. Die Aussichten darauf, dass die Regierung diesen enormen Überhang liquidiert, könnten die jüngste Kurserholung der Citigroup-Aktien schnell stoppen oder gar in ihr Gegenteil verwandeln. Natürlich könnte der Schaden begrenzt werden, wenn eine große Portion der Beteiligung zu einem Abschlag platziert werden würde oder die Aktien nach und nach verteilt würden.

Schauen wir uns nur die Marktreaktion vom Dienstag auf den Artikel im "Wall Street Journal" an, in dem nahe gelegt wird, dass die Citigroup in Verbindung mit einem möglichen Regierungsverkauf neue Aktien über bis zu fünf Mrd. Dollar verkaufen könnte: Die Aktien verloren ein bisschen mehr an Wert als das. Doch die Bank würde die Mittel dafür nutzen, Vorzugsaktien, die eine üppige Dividende von acht Prozent abwerfen, zurückzukaufen. Auch wenn die Erlöse damit sinnvoll eingesetzt würden, sind die Investoren eindeutig besorgt über die Aussicht, dass eine große Menge an Aktien den Markt überschwemmt.

Und selbst wenn sich die Regierung unbeschadet aus dem Aktienkapital zurückziehen kann, war das Tarp-Programm nicht die einzige Hilfsmaßnahme, derer sich die Citigroup bedient hat. Die Regierung hatte eingewilligt, 90 Prozent jeglicher Verluste über dem Niveau von 40 Mrd. Dollar bei einem Pool von Vermögenswerten über 300 Mrd. Dollar zu übernehmen. Dafür erhielt der Staat zusätzlich Vorzugsaktien über sieben Mrd. Dollar. Zudem emittierte das Kreditinstitut Schuldtitel, die vom US-Einlagensicherungsinstitut FDIC gestützt werden, in einem Volumen von 50 Mrd. Dollar und mehr.

Ohne diese und eine Reihe anderer Handreichungen aus Washington bestünde kaum eine Chance, dass sich die Tarp-Investitionen als rentabel erweisen könnten. Und bevor sich die Citigroup nicht vollständig von Uncle Sam losgelöst hat, wäre es zu früh für Paulson, zu erscheinen und sich für den Beifall zu bedanken. Doch seine Kritiker müssen sich vielleicht dennoch dafür rüsten, ihre Entschuldigungen vorzutragen.

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