Citigroup und Wells Fargo wollen Wachovia übernehmen
Lohnender Streit

Die Offerte von Wells Fargo über 15 Mrd. Dollar für Wachovia hat Citigroup verärgert und die Aufsichtsbehörden in Verlegenheit gebracht. Warum riskiert Wells Fargo den ganzen Ärger? Nun, der Deal macht aus Wells Fargo im Privatkunden- und im Einlagen- und Kreditgeschäft einen Giganten. Und die Firma hat einiges vorzuweisen, wenn es darum geht, die Investoren für sich zu gewinnen. Lohnender Streit.

Dick Kovacevich bildet sich einiges auf seine Umsicht ein. Daher schien, nachdem sich der Chairman von Wells Fargo am vergangenen Wochenende vom Kauf des Ostküstenrivalen Wachovia zurückgezogen hatte, dieses Vorhaben auch gestorben zu sein - und ein Großteil der angeschlagenen Bank ging fast geschenkt an Citigroup. Aber siehe da: Ein paar Tage später tauchte Kovacevich wieder auf und legte eine Offerte über 15 Mrd. Dollar vor, mit dem er nicht nur die Citigroup verärgerte, sondern auch die Aufsichtsbehörden in Verlegenheit brachte.

Citigroup schien den Deal schon im Sack zu haben. Sie hatte ein Exklusivitätsabkommen mit Wachovia ausgehandelt. Das US Federal Deposit Insurance Corporation-Einlagensicherungsinstitut (FDIC) hatte die Transaktion über 2,2 Mrd. Dollar eingefädelt und sich dazu bereit erklärt, Verluste bei den Krediten von Wachovia über einem gewissen Niveau abzudecken. Die FDIC sollte im Gegenzug einen Anteil an Citigroup erhalten. Darüber hinaus hatten die amerikanische Notenbank, das Finanzministerium und sogar der Präsident persönlich den Abschluss öffentlich abgesegnet.

Warum legt sich Wells Fargo also mit allen maßgeblichen Behörden an und riskiert den Zorn einer ihrer größten Konkurrentinnen? Weil eine Verschmelzung mit Wachovia Wells Fargo mit einem Schlag in die erste Liga der amerikanischen Banken katapultiert und sie, gemessen an den Einlagen, überhaupt zum größten Kreditinstitut des Landes macht, auch wenn der Deal Wells Fargo über die von den Aufsichtsbehörden eingezogene Obergrenze von zehn Prozent hinausschieben könnte und möglicherweise einige Verkäufe nötig macht. Zudem würde sich die Reichweite von Wells Fargo im Einlagen- und Kreditgeschäft ausweiten und sie würde sich, zusammen mit einer mittelgroßen Investmentbank, eines der größten Franchise-Netze des Landes für Wertpapiergeschäfte im Privatkundenbereich unter den Nagel reißen.

Die Führungsriege von Wells Fargo hat zudem einiges vorzuweisen, was die Fusionsintegration angeht. Das sollte den Investoren Zuversicht einflößen, dass die Bank bis 2010 die von ihr erwarteten fünf Mrd. Dollar tatsächlich einsparen kann - die derzeit für die Aktionäre 30 Mrd. Dollar wert sind, wenn sie erst einmal besteuert und mit einem Ertragsvielfachen von zehn versehen sind.

Natürlich gibt der Berg an zweifelhaften Vermögenswerten von Wachovia Anlass zur Besorgnis. Die Bank sitzt auf variabel verzinslichen Hypothekendarlehen und Home Equity Loans über 182 Mrd. Dollar. Aber Wells Fargo rechnet dahingehend schon mit Einbußen über 39 Mrd. Dollar - das ist konservativer als die Einschätzung von Citigroup - und mit weiteren 35 Mrd. Dollar bei anderen Bilanzposten. Und Wells Fargo verfügt über einen der größten Verwalter von Hypothekenforderungen des Landes, der ihr einen guten Überblick über mögliche Ausfälle verschaffen dürfte.

Vielleicht hätte Kovacevich schon am vergangenen Wochenende zum Sprung bereit sein sollen. Nachdem er abgewartet hat, muss er jetzt die Aufsichtsbehörden überzeugen, die bereits dem Angebot der Citigroup ihr Siegel aufgedrückt hatten - auch wenn dies nicht allzu schwierig sein dürfte, da der Wells-Fargo-Deal das Geld der Regierung verschonen würde. Seine Aktionäre zumindest kriegen ihres wahrscheinlich zurück.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%